BÜCHER

DDR-Geschichte Suizide kaum Folge politischer Repression

PP 6, Ausgabe April 2007, Seite 189

Weber, Ingbert

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Suizide waren in der DDR nicht illegal, doch das wahre Ausmaß dieses Phänomens wurde geheim gehalten. Ausweglosigkeit und Verzweiflung standen im Widerspruch zum Optimismus, den die Ideologie des sozialistischen Systems forderte.
Der Historiker Udo Grashoff hat mit seinem neuen Buch über Selbsttötungen in der DDR im Rahmen eines Stipendiums zur Aufarbeitung der SED-Diktatur promoviert. Er untersucht mehrere Tausend Suizidfälle und stellt dar, wie zu DDR-Zeiten solche Fälle bewertet wurden. Es gibt einige Ergebnisse, die überraschen: „Protestsuizide“, wie die politisch motivierte Selbstverbrennung des Pfarrers Brüsewitz, waren selten. Im internationalen Vergleich waren die Suizidsterberaten in der DDR sehr hoch. Die Suizide dieser Zeit sieht Grashoff nicht generell als unmittelbare Reaktion auf erfahrene politische Repressionen, sondern sie wurden im Einzelfall eher vor dem Hintergrund eines lebensgeschichtlichen Scheiterns und bedrückender gesellschaftlicher Verhältnisse gewählt.
Suizide waren häufig, so das Fazit, wie anderswo auch durch Krankheiten, Beziehungsprobleme und Verlustängste begründet. Statistisch auffällige Zunahmen verzeichnet der Autor allerdings infolge besonderer historischer Ereignisse wie die von 1961 oder 1991. Ingbert Weber

Udo Grashoff: „In einem Anfall von Depression . . .“. Selbsttötungen in der DDR. Ch. Links Verlag, Berlin, 2006, 520 Seiten, Broschur, 29,90 €
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