BÜCHER

Suizidalität bei Homosexuellen: Gezielte Prävention gefordert

PP 6, Ausgabe April 2007, Seite 189

Steger, Florian

Suizidalität ist unter homo- und bisexuellen Menschen erhöht. „Hochrechnungen deuten darauf hin, dass die Hälfte aller Suizidversuche von homo- oder bisexuellen Personen durchgeführt werden könnten.“ Plöderl geht dieser These in seiner Arbeit nach, indem er neue Daten aus dem deutschsprachigen Raum präsentiert. Entsprechend ist das Buch in einen allgemeinen theoretischen Teil untergliedert, in dem viel Bekanntes zu Identität, Homo-, Bisexualität und Diskriminierung beschrieben wird, und in einen zweiten empirischen Teil. Hier geht Plöderl ausführlich und überzeugend auf das Design seiner Studie ein und präsentiert die erhobenen Daten. Teil drei seines Buches umfasst die Zusammenfassung und die Diskussion der Ergebnisse.
Plöderl kann anhand seiner eigenen Daten zeigen, dass alle Indikatoren für Suizidalität „bei homo- oder bisexuellen Personen im Vergleich zu heterosexuellen Personen ausgeprägter“ gewesen sind. Auch wenn für die untersuchte Gruppe ein geringfügig erhöhter Indikator für psychische Störungen nachzuweisen war, weist Plöderl zu Recht darauf hin, dass erhöhte Suizidalität bei Homosexuellen nicht als Argument für eine Pathologisierung von Homosexualität per se missinterpretiert werden sollte. Vielmehr sei aus dieser Häufung ein „Indiz für die soziale Unterdrückung von homosexuellen Personen“ abzulesen, und es sei von einer gesellschaftlich bedingten Diskriminierung auszugehen, durch die man „die schlechtere psychische Verfassung von homo- und bisexuellen Personen erklären“ könne. Entsprechend fordert Plöderl auch in einem persönlichen Resümee gezielte Präventionsmaßnahmen für die Suizidalität von homo- und bisexuellen Menschen in Hilfsnetzwerken und -einrichtungen. Florian Steger

Martin Plöderl: Sexuelle Orientierung, Suizidalität und psychische Gesundheit. Beltz, Weinheim, 2005, 279 Seiten, broschiert, 64,90 €
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