ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2007Knowledge-Communities im Krankenhaus: Mit Wissen zum Erfolg

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Knowledge-Communities im Krankenhaus: Mit Wissen zum Erfolg

Dtsch Arztebl 2007; 104(15): A-1004 / B-891 / C-848

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Effizienz und Qualität in Krankenhäusern lassen sich durch ein integratives Wissensmanagement verbessern.

Krankenhäuser sind wissensintensive Organisationen mit hohen Anforderungen an die Dokumentation und Qualitätssicherung der Leistungserbringung. Doch nur selten werden Instrumente des Wissensmanagements systematisch zur prozessorientierten Steuerung genutzt. Darauf verwies Dr. Sabine Bohnet-Joschko, Universität Witten-Herdecke, bei einer Tagung zum prozessorientierten Wissensmanagement im Krankenhaus in Bonn. Die Wissenschaftlerin präsentierte Ergebnisse des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Verbundprojekts „Knowledge Communities im Krankenhaus“ (www.projekt-know-it.de), das die Universität Witten-Herdecke gemeinsam mit der Agfa Healthcare GmbH, Bonn, und den Kliniken Oberallgäu durchgeführt hat.
Wissen ist im Krankenhaus in vielfältiger Form vorhanden – implizit (in den Köpfen der Mitarbeiter) und explizit. Zu den Wissensträgern zählen Ärzte und Pflegekräfte mit ihrem spezifischen Fach- und Erfahrungswissen, ebenso wie die Mitarbeiter in der Verwaltung. Ihr Wissen ist personenbezogen; es steht dem Krankenhaus nur über die jeweiligen Mitarbeiter selbst zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es das explizite, schriftlich niedergelegte Wissen, etwa in Patientenakten, Untersuchungsprotokollen, Terminplänen oder Fachzeitschriften. Im Rahmen des Projekts wurde ein Wissensmanagementsystem entwickelt, mit dem über eine technische Plattform die vielen im Krankenhaus vorhandenen Formen des Wissens gesammelt, gebündelt und verteilt werden können. Ziel ist es, die Kommunikationsdichte zwischen den Bereichen Medizin, Pflege und Verwaltung zu erhöhen und durch ein integratives Wissensmanagement die Effizienz von Abläufen zu steigern. So lassen sich über das Wissensportal Daten zur Kliniksteuerung erfassen und den jeweiligen Nutzergruppen strukturiert zur Verfügung stellen. Gleichzeitig unterstützt das System den Aufbau von neuem Wissen in den Mitarbeiterteams und die Erarbeitung hausspezifischer Standards.
Seit Anfang 2007 wird das System in den Kliniken Oberallgäu als Pilotanwendung eingesetzt. Der Klinikverbund, bestehend aus drei Häusern mit 270 Betten und 500 Mitarbeitern, wies 2003 ein hohes Defizit von mehr als drei Millionen Euro auf. Durch Umstrukturierungsmaßnahmen, die die Vernetzung der drei Standorte förderten und die von der Einführung des Wissensportals begleitet wurden, gelang die wirtschaftliche Wende, sodass man inzwischen wieder schwarze Zahlen schreibe, berichtete Andreas Ruhland, Geschäftsführer der Kliniken Oberallgäu gGmbH. Sein Fazit: Die Einführung eines Wissensportals sei gerade für kleinere Häuser nützlich, um sich im zunehmenden Wettbewerb zu behaupten.
Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde bei den Kliniken Oberallgäu ein Werkzeug zur Prozessoptimierung entwickelt („Promt“), mit dem sich beispielsweise klinische Behandlungspfade und Kernprozesse der Häuser unter Effizienz- und Kostengesichtspunkten modellieren lassen. Bislang ist dies für den operativen Eingriff der Knieendototalprothese und für die Umsetzung eines einheitlichen Schmerzmanagements in der Pflege umgesetzt. Kosten und Leistungen eines Hauses ließen sich so einfacher transparent machen, so Ruhland. Auch Wissensverluste durch die interne Fluktuation der Mitarbeiter könnten dadurch verringert werden. Über die gemeinsame Wissensbasis seien die interdisziplinären Aufgaben zur Versorgung der Patienten effizienter lösbar.
Das Wissensportal enthält eine Reihe von Funktionalitäten für den Einsatz in der klinischen Routine. Dazu zählen Foren, E-Learning-Module, eine Mediendatenbank, eine elektronische Pinnwand, Recherchefunktionen, die das Finden von Informationen durch eine semantische Suche unterstützen. Mit dem „Webwatch“-Tool lassen sich Aktualisierungen von Fachseiten automatisiert aus dem Internet herunterladen und den Nutzern offline im Klinik-Intranet zur Verfügung stellen.
Über ein Transferportal im Internet sind wesentliche Ergebnisse und Fachinformationen des Projekts frei verfügbar. Das Portal enthält außerdem eine „Toolbox“ mit individuellen Arbeitshilfen und kooperativen Werkzeugen für das Wissensmanagement. Das Prozess-Modellierungswerkzeug „Promt“ können andere Krankenhäuser lizenzkostenfrei nutzen. Gleiches gilt für das als Kernstück des Wissensmanagementsystems entwickelte Intranetportal, das auf der Basis von frei erhältlicher Software programmiert wurde. Aufgrund seines modularen Aufbaus lässt es sich an die Bedürfnisse anderer Krankenhäuser anpassen, in bestehende IT-Strukturen integrieren und um neue Elemente erweitern (www.khwm.de). Zusätzlich ist ein Benchmarking-Tool zu den Bereichen Prozessoptimierung, Kommunikation, Technik und Fortbildung verfügbar, mit dem sich Krankenhäuser im Wettbewerb einschätzen können.
Heike E. Krüger-Brand
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