ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2007Interview: Der Fachmann staunt
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Wir begrüßen es, dass die Helios GmbH Einsicht zeigt. Sie erklärt sich nun bereit, den Patienten das zu gewähren, worauf diese aus fachlicher und rechtlicher Sicht immer schon Anspruch hatten, nämlich auf eine Versorgung nach Facharztstandard, auch und gerade im Bereich der Anästhesiologie. Wir begrüßen das Bekenntnis der Helios GmbH zur Einhaltung der anästhesiologischen Standards auch deshalb, weil damit von unseren Partnern in der Pflege das Damoklesschwert eines zivil- und strafrechtlich relevanten Übernahmeverschuldens bzw. der drohende Vorwurf einer strafbaren, unerlaubten Ausübung der Heilkunde genommen wird. Erstaunlich ist es jedoch, wenn die Helios GmbH ihr MAfA-Konzept damit begründen will, auf diese Weise die Ausbildung der Krankenpflegekräfte verbessern und somit die Qualität der Patientenbetreuung während der Narkose insgesamt erhöhen zu wollen. Das „Know-how“ in den Operationssälen soll so steigen. Wer jedoch die konzerninterne Fortbildung des MAfA mit der staatlich anerkannten Weiterbildung zur „Anästhesie- und Intensivpflegekraft“ vergleicht, wird Folgendes feststellen: Ein Jahr Ausbildungszeit des MAfA und 200 Stunden theoretischer Unterricht, vermittelt in sechs Modulen zu jeweils einer Woche, und eine Woche praktischer Unterricht konkurrieren mit einer Weiterbildungszeit der „Fachkrankenschwester“ von zwei Jahren, die 720 Stunden theoretischen Unterricht und weitere 1 200 Stunden Weiterbildung unter praktischer Anleitung, davon allein 400 Stunden Anästhesie, beinhalten. Wie die Helios GmbH durch die Vermittlung von weniger Inhalt und Qualifikation mehr Know-how und Qualität in die Operationssäle bringen will, wird wohl ihr Betriebsgeheimnis bleiben. Zudem kann es nicht sein, dass wir uns in der Bildungspolitik (Bologna-Prozess) Europa annähern und kompatibel machen wollen, auf der anderen Seite aber einzelne Konzerne sich ihre eigene Weiterbildung stricken, die national – oder gar international – Anerkennung finden soll. Der Fachmann jedenfalls staunt, der Laie wird sich wundern.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Hugo Van Aken,
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und
operative Intensivmedizin des UKM,
Albert-Schweitzer-Straße 33, 48149 Münster
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