ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2007Tarifverträge: Eine Katastrophe
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. . . Es handelt sich nicht um einen GAU. Diesem Begriff wohnt ja eine gewisse Plötzlichkeit inne. Bei dem, was jetzt als Katastrophe aufscheint, handelt es sich um das vorläufige Ende einer schändlichen Entwicklung, der wir jahrzehntelang zumindest untätig zugesehen haben, wenn sie nicht gar auch noch gefördert haben. Wir haben zugelassen, dass Akademiker heute in Deutschland weniger verdienen als ein Facharbeiter in der Industrie. Wir haben zugelassen, dass Ärzte in Deutschland, das ja immer noch zu den reichsten Ländern der Erde zählt, die am schlechtesten bezahlten gegenüber vergleichbaren Ländern sind. Vor wenigen Wochen wurden die Stundensätze für niederländische Fachärzte veröffentlicht: 132 ± 6 Euro. Die von Prof. Propping genannten 3 900 Euro im Monat für einen Arzt, der sechs Jahre tätig ist, reichte dann einmal gerade für etwa 30 Stunden. Herr Prof. Propping hat recht, wenn er feststellt: „Eine tariflich definierte Arbeitszeit ist wissenschaftlicher Arbeit fremd.“ Dies gilt aber in gleichem Maße auch für den am Patienten tätigen Arzt. Und das nicht nur an Universitätskliniken. Dann müsste aber gerade diese Bereitschaft zu mehr Leistung sich in einem Mehr an Vergütung niederschlagen . . . Es ist alles andere als ein GAU, dass wissenschaftlich tätige Ärzte ein paar Euro weniger verdienen, als die, welche am Patienten arbeiten. Es ist eine Katastrophe, dass beide Gruppen, was ihre Bezahlung anbelangt, Schlusslichter in Europa sind.
Dr. med. Ernst A. Göbel, Heideweg 17,
55743 Idar-Oberstein

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