ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2007Rettungsdienst: Ausschreibungen: Ja, aber!
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Grundsätzlich ist der Ansatz, Kosten im Rettungsdienst durch Ausschreibungen einzusparen, begrüßenswert. Auch ist es sicher richtig, dass hier in der Vergangenheit der Markt zulasten der Kostenträger nicht geöffnet wurde. Gerade das Beispiel der Region Hannover taugt dabei aber nicht, da hier einige Voraussetzungen für eine sinnvolle Ausschreibungspraxis fehlen. Bei einer Vergabe rettungsdienstlicher Leistungen gibt es einiges zu bedenken: Die Qualität dieser Leistungen ist zu einem nicht unerheblichen Anteil von einer profunden Ortskenntnis und der Kenntnis der lokalen Infrastruktur abhängig. Nicht alle Einsatzorte haben eine Adresse, welche ein Navigationsgerät problemlos fände. Das Versorgungsspektrum der Krankenhäuser ist nicht immer konstant; beispielsweise ist im Kreiskrankenhaus X der Unfallchirurg Y mit handchirurgischer Zusatzausbildung nicht täglich verfügbar. Solches Wissen zu erwerben dauert. Bei jedem Wechsel von Rettungsdienstmitarbeitern fangen diese wieder bei null an. Gerade in Niedersachsen bietet das Rettungsdienstgesetz nur Rückhalt für einen Minimalstandard. Der Ärztliche Leiter Rettungsdienst ist derzeit nicht vorgesehen. Personalstandards beschränken sich auf „geeignetes Personal“, der Rettungsassistent (RA, Lehrberuf mit zweijähriger Ausbildung) wird nicht einmal erwähnt. Dies hat in der Region Hannover zur Folge, dass trotz Rendezvoussystem nur noch „Rettungswagen“ (RTW) nach neuer Europanorm (Notfallambulanz Typ C) – statt der bisher üblichen alten deutschen Notarztwagen (NAW Standard) – beschafft werden. Natürlich sind die RTW neueren Standards in der Anschaffung wesentlich billiger als die deutlich besser ausgestatteten und größeren NAW. Diese RTW werden dann zunehmend nur mit einem Rettungssanitäter (RS, 520 Stunden Ausbildung) und einem Rettungshelfer (RH, 160 Stunden Lehrgang) besetzt . . . Die Krankenkassen haben während der Ausschreibung darauf gedrängt, auch ehrenamtliches Personal einzusetzen und von vorneherein bei der Kalkulation zu berücksichtigen. Als langjährig in der Region tätiger Notarzt erlebe ich hier eine nicht hinnehmbare Abkehr von etablierten Standards und einen Rückfall auf das Versorgungsniveau der frühen Achtzigerjahre. Unabdingbare Voraussetzung für eine sinnvolle Vergabe von Rettungsdienstleistungen über Ausschreibungen ist die verbindliche Definition von Standards durch den Gesetzgeber und eine Überwachung dieser Standards durch einen Ärztlichen Leiter Rettungsdienst . . .
Dr. med. Hans-Peter Reiffen,
Notarzt in der Region Hannover,
Auf dem Windmühlenberge 10 a, 30916 Isernhagen
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