ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2007Impfenzephalitis – eine Fehldiagnose?

MEDIZIN: Referiert

Impfenzephalitis – eine Fehldiagnose?

Dtsch Arztebl 2007; 104(15): A-1023 / B-909 / C-865

shm

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LNSLNS Der mögliche Zusammenhang zwischen Impfungen im Kindesalter und dem Auftreten von Enzephalitiden wurde stets kontrovers diskutiert.
Die Ergebnisse einer australischen Forschergruppe weisen nun darauf hin, dass das Impfen bei vielen Patienten mit Impfenzephalitiden nicht die alleinige Ursache war.
Ausgangspunkt für die Untersuchungen war die Symptomähnlichkeit zwischen Impfenzephalitiden und einer seltenen Epilepsieform des Kindesalters, der sogenannten SMEI-Erkrankung (Severe Myoclonic Epilepsy of Infancy). Beide sind durch ein persistierendes Anfallsleiden und eine variabel ausgeprägte intellektuelle Beeinträchtigung gekennzeichnet. Viele Patienten mit SMEI-Erkrankung zeigen Mutationen in dem SCN1A-Gen, das für einen Natriumkanal kodiert.
Die Gruppe untersuchte, ob bei 14 Patienten mit Impfenzephalitiden Mutationen im SCN1A-Gen vorliegen. Bei 11 der 14 Patienten ließen sich Mutationen im SCN1A-Gen nachweisen.
Die Diagnose einer SMEI-Erkrankung wurde somit nachträglich gestellt. Von 9 dieser Patienten waren auch Blutproben der Eltern verfügbar. Bei diesen konnten die Mutationen nicht nachgewiesen werden. Die Veränderungen sind bei den Patienten neu entstanden.
Künftige Untersuchungen müssen klären, ob die Impfungen triggernd auf die Manifestation der SMEI-Erkrankung eingewirkt haben oder ob es sich dabei um eine zufällige Koinzidenz handelt. Die Mehrheit der Fälle mit SMEI-Erkrankung steht allerdings in keinem Zusammenhang mit Impfungen. shm

Berkovic SF, Harkin L, McMahon JM et al.: De-novo mutations of the sodium channel gene SCN1A in alleged vaccine encephalopathy: a retrospective study. Lancet Neurol 2006;
5: 488–92. Samuel F Berkovic, Epilepsy Research Centre, Austin Health, West Heidelberg, Victoria 308, Australia

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