ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2007Was tun bei Heparinallergie? Alternativpräparat verfügbar
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LNSLNS Als therapeutische Alternative bei bestehender beziehungsweise nachgewiesener Heparin-Spättyp-Allergie steht sehr wohl das semisynthetische Heparinoid Pentosanpolysulfat als Ausweichpräparat zur Verfügung. Für dieses Heparinoid sind in der Literatur lediglich äußerst selten allergische Reaktionen beschrieben, zudem wurden in den zahlreichen Fällen, in denen es als Ausweichmedikament mitgetestet wurde, lediglich äußerst selten Sensibilisierungen beobachtet.
Auch bezüglich der Auslösung einer durch Heparin induzierten Thrombozytopenie handelt es sich bei dem Pentosanpolysulfat um ein sehr sicheres Medikament. Heparin-induzierte Thrombozytopenien vom Typ I verlaufen zumeist leicht und vorübergehend, Komplikationen kommen im Allgemeinen nicht vor, und die Behandlung kann daher fortgeführt werden. Thrombozytopenien vom Typ II wurden lediglich in äußerst seltenen Einzelfällen beschrieben.
Zudem handelt es sich um ein äußerst kostengünstiges Medikament. Etwa eine Ampulle von Fondaparinux als auch von Desirudin kosten etwa soviel wie eine 10er-Packung Pentosanpolysulfat.
Für das Heparinoid Danaparoid liegen dagegen mehrere Fallberichte mit allergischen Reaktionen vor. Dies wird auch durch die in dem Artikel angeführte Literatur von Lindhoff-Last et al. und Grassegger et al. bestätigt. Wie jedoch bezüglich der Heparinoide verallgemeinernde Aussagen behauptet werden können, wie „Kreuzallergien zwischen Heparinen und Heparinoiden sind häufig“ oder „Heparinoide, insbesondere Pentosanpolysulfat, sind in den Hauttests in der Tat häufig negativ [...] denn in den subkutanen Provokationstests manifestiert sich die Spättypallergie und damit die Kreuzreaktivität“ oder „die Heparinoide Danaparoid und Pentosanpolysulfat haben zu den Heparinen eine Kreuzreaktivität von über 80 Prozent“ wird in der vorliegenden Arbeit jedoch nicht belegt und entspricht auch nicht den Ergebnissen verschiedener Publikationen.
Unklar sind zudem die Ergebnisse der subkutanen Provokationstestung. Insbesondere die häufigen positiven Testreaktionen bei Pentosanpolysulfat sind nicht nachzuvollziehen und sollten vielleicht überprüft werden. Diese Zahlen lassen sich so jedenfalls durch keine weitere vorliegende Publikation belegen. Im Gegensatz dazu wird Fondaparinux nur einmalig subkutan provoziert; jedoch wird geschlussfolgert dass „Fondaparinux-Injektionen versucht werden können“, trotzdem mittlerweile bereits mehrere Fallberichte zu allergischen Reaktionen vorliegen.

Dr. med. Roland Irion
Steinerner Steg 5
74523 Schwäbisch Hall

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