ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2007Muskel und Knochen – eine funktionelle Einheit: Paradigmenwechsel bei Skelettuntersuchungen von Kindern und Jugendlichen: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Muskel und Knochen – eine funktionelle Einheit: Paradigmenwechsel bei Skelettuntersuchungen von Kindern und Jugendlichen: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(15): A-1035 / B-921 / C-877

Fricke, Oliver; Schoenau, Eckhard

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LNSLNS Stürze im Rahmen der Lokomotion sind eine wesentliche Ursache für das Auftreten von Frakturen bei älteren Menschen (1). Der Verlust koordinativ-muskulärer Fertigkeiten zum Halten der Balance ist dabei entscheidend. Die Verarbeitung propriorezeptiver Informationen und die muskuläre Gegenregulation (intra- und intermuskulären Koordination) bei Auslenkung aus der Balance bewahrt uns vor Stürzen. Die Verbesserung dieser Koordination durch Ganzkörpervibrationstraining ist vorteilhaft für Muskelkraft und Muskelleistung und erhöht die Knochenmasse. Erste Ergebnisse zur Wirkung des Ganzkörpervibrationstrainings mit dem Kölner-Geh-und-Stehtrainer Galileo zur Behandlung immobilisierter Kinder und Jugendlicher liegen bereits vor und zeigen einen deutliche Steigerung der Mobilität (2).
Die Erdschwerebeschleunigung ist Ursache für die mit unserem Körper verbundene Gewichtskraft, die bei konstanter Beschleunigung allein von der Körpermasse abhängig ist. Lokomotion ist nur möglich, wenn das muskuläre System Kräfte entwickelt, die der Gewichtskraft entgegenstehen. Deshalb ist die Entwicklung der Muskelkräfte an die Entwicklung der Körpermasse adaptiert. Die Körperlängenentwicklung modifiziert diesen Aspekt durch das Auftreten von Hebelkräften. Deshalb sollte die Beurteilung muskulärer Parameter unter der Berücksichtigung der Auxologie erfolgen, wie es im diagnostischen Algorithmus zur Untersuchung der funktionellen Muskel-Knochen-Einheit vorgeschlagen wurde. Im Weltraum besteht keine Erdschwerebeschleunigung, woran sich das Muskelsystem adaptiert. Die Abnahme der Muskelkraft bedingt einen sekundären Verlust von Knochenmasse, weil sich das Skelett an die an ihm angreifenden Maximalkräfte adaptiert. Um diesem entgegenzuwirken, muss der Mensch in der Schwerelosigkeit durch gezieltes Training seine muskulären Maximalkräfte aufrecht erhalten. Die Berliner Bed-Rest-Studie konnte zeigen, dass auch in diesem Fall Vibrationstraining wesentlich zum Erhalt der Muskelkraft ist (3).


Dr. med. Oliver Fricke
Prof. Dr. med. Eckhard Schoenau
Klinik u. Poliklinik für Kinderheilkunde
Klinikum der Universität zu Köln
Kerpener Straße 62, 50924 Köln

Interessenkonflikt
Prof. Schoenau erhielt von der Firma Novotec Medical GmbH finanzielle Fördermittel. Dr. med. Fircke erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Sambrook PN et al.: Influence of fall related factors and bone strength on fracture risk in the frail elderly. Osteoporos Int 2007; Jan 10; elektronische Veröffentlichung vor dem Druck.
2.
Semler O et al.: Preliminary therapeutic results on the mobility after whole body vibration (WBV) in immobilized children and adolescents. J Musculoskelet Neuronal Interact, Manuskript im Druck.
3.
Blottner D et al.: Human skeletal muscle structure and function preserved by vibration muscle exercise following 55 days of bed rest. Eur J Appl Physiology 2006; 97: 261–71. MEDLINE
1. Sambrook PN et al.: Influence of fall related factors and bone strength on fracture risk in the frail elderly. Osteoporos Int 2007; Jan 10; elektronische Veröffentlichung vor dem Druck.
2. Semler O et al.: Preliminary therapeutic results on the mobility after whole body vibration (WBV) in immobilized children and adolescents. J Musculoskelet Neuronal Interact, Manuskript im Druck.
3. Blottner D et al.: Human skeletal muscle structure and function preserved by vibration muscle exercise following 55 days of bed rest. Eur J Appl Physiology 2006; 97: 261–71. MEDLINE

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