ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2007Ernst von Bergmann (1836–1907): „Vater der Asepsis“ und Vorreiter der ärztlichen Fortbildung

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Ernst von Bergmann (1836–1907): „Vater der Asepsis“ und Vorreiter der ärztlichen Fortbildung

Dtsch Arztebl 2007; 104(15): A-1036 / B-922 / C-878

Gerst, Thomas

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Ernst von Bergmann starb vor 100 Jahren. Foto: Archiv
Ernst von Bergmann starb vor 100 Jahren. Foto: Archiv
Als im Januar 1901 das „Zentralkomitée für das ärztliche Bildungswesen in Preußen“ gegründet wurde, übernahm der Chirurg Ernst von Bergmann den Vorsitz. Schon früh hatte von Bergmann die Notwendigkeit erkannt, den Ärzten in ihrem Berufsleben eine praxisbezogene Fortbildung zu vermitteln. Angesichts der stürmischen Entwicklung der Naturwissenschaften am Ausgang des 19. Jahrhunderts konnte mit dem während des Studiums erworbenen Wissen langfristig keine erfolgreiche Behandlung der Patienten gewährleistet werden. Großen Wert legte von Bergmann neben der wissenschaftlichen Expertise auf die didaktischen Fähigkeiten der Fortbildungsreferenten.
Der auch als „Vater der Asepsis“ bezeichnete von Bergmann wurde am 16. Dezember 1836 in Riga (Lettland) geboren. Nach der Schulzeit in der humanistischen Lehranstalt Birkenruh bei Wenden studierte er zwischen 1854 und 1860 in Dorpat (Estland) Medizin. Nach der Promotion im Jahr 1860 wurde er Assistent an der chirurgischen Klinik Dorpats, wo er sich 1866 habilitierte. Während der Kriege 1866 und 1870/71 war er in preußischen und badischen Diensten als Leiter von Feldlazaretten tätig – eine Tätigkeit, die ihn für seinen weiteren Berufsweg entscheidend prägte. Nach Friedensschluss kehrte von Bergmann nach Dorpat zurück, wo er 1871 Professor der Chirurgie und Nachfolger seines Lehrers und Schwiegervaters Georg Adelmann wurde.
1878 ging von Bergmann als Professor und Oberwundarzt des Julius-Spitals nach Würzburg, nachdem er zuvor noch als konsultierender Chirurg der Kaiserlich-Russischen Donauarmee am russisch-türkischen Krieg (1877/78) teilgenommen hatte. 1882 wurde er als Professor der Chirurgie und Direktor der chirurgischen Universitätsklinik (Lehrstuhl Bernhard von Langenbecks) nach Berlin berufen.
Besondere Verdienste erwarb sich von Bergmann durch die Weiterentwicklung chirurgischer Operationstechniken und der Wundbehandlung. Unter dem Einsatz dampfsterilisierter Verbandsmaterialien bei der Wundversorgung ging die Zahl der gefährlichen Wundinfektionen deutlich zurück.
Von Bergmann gilt als einer der größten deutschen Chirurgen. Über mehrere Jahre leitete er als Präsident die „Deutsche Gesellschaft für Chirurgie“. Im Jahr 1904 war er einer der Mitbegründer der „Zeitschrift für ärztliche Fortbildung“, heute weitergeführt unter dem Namen „Zeitschrift für ärztliche Fortbildung und Qualitätssicherung“ (ZaeFQ). Von Bergmann starb am 25. März 1907. Sein Grab ist auf dem Alten Friedhof in Potsdam, Heinrich-Mann-Allee.
Für Verdienste um die ärztliche Fortbildung wird die Ernst-von-Bergmann-Plakette vom Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer und vom Deutschen Ärztetag auf Beschluss des Vorstands der Bundes­ärzte­kammer verliehen. Thomas Gerst
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