ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2007Deutsches Apotheken-Museum: Mit viel Liebe zum Detail

KULTUR

Deutsches Apotheken-Museum: Mit viel Liebe zum Detail

Dtsch Arztebl 2007; 104(15): A-1038 / B-924 / C-880

Schnalke, Thomas

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Im Heidelberger Schloss wird der Wandel der Pharmazie vom Handwerk zur Wissenschaft gezeigt.

D as Deutsche Apotheken-Museum im Heidelberger Schloss ist ein Juwel. Alte Mörser verschiedenster Art, feine Fayencen und Majoliken, aber auch prachtvolle Apothekeneinrichtungen aus vergangenen Zeiten finden man dort. Preziös, anschaulich, lehrreich und mit viel Liebe zum Detail verfolgt das Museum die Entwicklung des Apothekenwesens vom Handwerk zur pharmazeutischen Wissenschaft. Das Museum wurde 1937 in München gegründet und nach einigen Umzügen und Einlagerungen 1957 im Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses wieder eröffnet. Es zeigt die Geschichte eines faszinierenden Berufsstands, der sich neben dem des Arztes seit frühesten Zeiten um Gesundheit und Krankheit respektive Gesundwerden und -bleiben kümmert. Die Inhalte sind daher mit den zentralen medizinischen Vorstellungen vom Körper und seinen Gebrechen, die zu verschiedenen Zeiten unser abendländisches Denken prägten, eng verknüpft. Volksmedizin, Viersäftelehre, Alchemie, moderne Biologie, Zellenlehre und molekulare Modelle – alles findet hier einen ganz eigenen Reflex. Stets geht es um die Frage, mit welchen Arzneimitteln aufgrund welcher Denkmuster in bestimmten Epochen einer Unpässlichkeit, einer akuten Krankheit oder einem chronischen Leiden zu Leibe gerückt wurde. Man betritt eine Kräuterkammer ebenso wie das moderne Apothekenlabor. Dort geht es nicht nur um den immer schon erstaunlich reichen Arzneimittelschatz und die Bereiche der Natur, aus welchen sich der Fundus des Apothekers zuzeiten speiste, sondern auch um die verschiedenen Darreichungsformen, mit welchen bis heute versucht wird, den Kranken zum Schluck der „bitteren Pille“ zu bewegen.
Auch im Depot verwahrt das Deutsche Apotheken-Museum große Schätze. Leider bleibt ihr Anblick dem Besucher verborgen. Aufgrund der beschränkten Ausstellungsfläche müssen die Objekte ein Schatten-dasein führen – bis sie an der Reihe sind und sich in der Dauerausstellung zeigen dürfen oder durch die Einbindung in eine Sonderausstellung geadelt werden. Wunderschöne Apothekenstandgefäße, kunstvoll komponierte Haus- und Reiseapotheken, Waagen und Gewichte sind hier ebenso abgelegt wie pharmazeutische Etiketten, Medaillen und Plaketten. Einen genaueren Einblick ermöglicht der neu erschienene und umfangreiche Museumsführer „Das Deutsche Apotheken-Museum“. Die Autorin Elisabeth Huwer zeigt in diesem Bildband eindringlich die Geschichte der Apotheker und der Pharmazie.
Das Museum zeigt prachtvolle Apothekeneinrichtungen aus vergangenen Zeiten: Offizin des Benedikterklosters in Schwarznach, Baden (Rheinmünster), um 1724. Fotos: Deutsches Apotheken-Museum
Das Museum zeigt prachtvolle Apothekeneinrichtungen aus vergangenen Zeiten: Offizin des Benedikterklosters in Schwarznach, Baden (Rheinmünster), um 1724. Fotos: Deutsches Apotheken-Museum
In den reich bestückten Schatztruhen des Museums findet man schließlich auch umfangreiche Archivbestände und eine substanzielle Reihe grafischer Arbeiten. Die hier aufgehobenen Ausbildungszeugnisse, Privilegien, Rezepte und Handschriften von Pharmazeuten sowie die bildlichen Darstellungen von Apotheken und Karikaturen verweisen auf eine Funktion, die das Museum neben seinem öffentlichen Auftritt auch ausübt: Das Deutsche Apotheken-Museum ist ein wichtiger Ort fachgeschichtlicher Forschung. Zum einen werden hier alle Bestände sachgerecht wissenschaftlich katalogisiert und kommentiert, zum anderen auch externe Anfragen bezüglich einschlägiger Objekte, bildlicher und schriftlicher Quellen beantwortet.
Derzeit lockt das Museum pro Jahr mehr als 580 000 Besucher an und gehört damit zu den großen Fachmuseen im Land. Mit dem Museumsführer ist den Gästen des Museums zudem ein Nachschlagewerk an die Hand gegeben, das sich gleichermaßen zur Vorbereitung auf den Museumsbesuch wie auch zur Nachbereitung des Gesehenen eignet. Alle, die ein Interesse an der Kultur- und Pharmaziegeschichte verspüren, werden den Museumsbesuch mit großem Gewinn genießen.
Thomas Schnalke
Elisabeth Huwer: Das Deutsche Apotheken-Museum. Schnell & Steiner, Regensburg, 2006, 308 Seiten, 29,90 €
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