ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2007Börsebius: Der Knut-Effekt

GELDANLAGE

Börsebius: Der Knut-Effekt

Dtsch Arztebl 2007; 104(15): A-1042 / B-927 / C-883

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Dass dieses weiße Kuschelwuscheleisbärchen „Knut“ derzeit in den Medien die Ersatzsau ist, die jede Woche in wechselnder Weise durchs Dorf getrieben wird, ist bekannt. Wussten Sie aber schon, dass der frühere SPD-Popbeauftragte eben diesen Knut zu seinem Klimaschutz-Maskottchen ernannt hat? Ist ja eine putzige Idee vom Ex-Popbeauftragten, der jetzt als Bundesumweltminister sein Dasein fristet. Ich meine jetzt nicht Knut, sondern Sigmar Gabriel – sonst müsste es es ja Bundesknutweltminister heißen.
Wenn Knut die Gazetten beherrscht, dann kann es ja fast nicht sein, dass die Börsen davon unbeeindruckt sind. Ich wette, dieses possierliche Tierchen ist schuld an der Tatsache, dass der DAX mittlerweile wieder über 7 000 Punkte gestiegen ist, weil doch, wenn alle in Kuschelstimmung sind, die Kurse nicht das böse Haar in der Suppe sein wollen. Den Beweis dafür liefern nicht nur der in der Breite der gestiegene Index, sondern auch ein Detail: Die Notiz der Berliner-Zoo-AG ist innerhalb weniger Tage rund 60 Prozent nach oben geschnellt. Na ja, das Papier ist sehr markteng und eh nicht im DAX gelistet. Vermutlich haben einige Omas zugeschlagen, in der Hoff-
nung, dass als nächste Dividende zwei-
mal Knutstreicheln verkündet wird.
Spaß beiseite. Der DAX ist wieder über die 7 000-Punkte-Marke geklettert, die Korrektur der Kurse zu einem großen Teil wieder aufgeholt, als sei nichts gewesen. Normal ist das alles nicht. Die an den Märkten herrschende Euphorie und die Meinung, es kann eigentlich nur noch weiter nach oben gehen, greifen entschieden zu kurz. Im Grunde haben sich die Gefahren gegenüber Jahresanfang noch verstärkt. Sorgen machen mir vor allem die labile US-Konjunktur und das mögliche Platzen des amerikanischen Immobilienmarkts, verbunden mit weiteren Pleiten von Finanzierungsinstituten sowie unübersehbaren Streuwirkungen auf andere Branchen.
Dabei haben wir über die geopolitischen Risiken noch gar nicht gesprochen. Das Festsetzen der britischen Soldaten durch den Iran zeigt, wie schnell eine Lunte ans Pulverfass angebracht werden kann. Mit ähnlichen gefährlichen Ereignissen wird man in den kommenden Monaten immer wieder rechnen müssen.
Dass bei einigen Hedgefonds weltweit ein ganz großes Rad gedreht wird, das, wenn es in die falsche Richtung läuft, andere Finanzmärkte in schwere Turbulenzen stürzen kann, ist kein theoretisches Schreckensszenario, sondern reell. Vorsicht ist also weiterhin das Gebot der Stunde, und eine niedrige Aktienquote garantiert einen ruhigen Schlaf. Fürs Einsteigen auf deutlich niedrigerem Niveau ist dann immer noch Zeit.
Später, wenn’s dann mal wieder so schlecht läuft, ist die Lösung ganz einfach. Aufgepasst, Herr Ackermann von der Deutschen Bank oder Herr Obermann von der Telekom: Gehen die Kurse baden, einfach ein Tierbaby nebst tieftrauriger Waisenkindstory besorgen, im Vorstandsbüro aussetzen, Kulleraugenbilder ins Internet, die ganze Geschichte den Börsianern auftischen, nebenbei noch RTL, Sat.1 oder Pro 7 anrufen. Der Knut-Effekt wird’s dann schon richten. Oder auch nicht.
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