ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2007Die Arbeit am persönlichen Lebens- und Karriereplan: Leitstern Lebensvision

BERUF

Die Arbeit am persönlichen Lebens- und Karriereplan: Leitstern Lebensvision

Dtsch Arztebl 2007; 104(15): [71]

Lange, Alfred

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LNSLNS Die enorme Belastung gerade junger Klinikärzte erschwert die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben.

Die meisten Karriereberater stimmen in einem Punkt überein: Die Karriereplanung sollte ganzheitlich unter Berücksichtigung anderer Lebensbereiche erfolgen. Unter dem Stichwort Work-Life-Balance werden Wege diskutiert, die Menschen, die beruflich sehr stark belastet sind, helfen sollen und zu einem ausgewogenen Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben führen. Ziel ist die Harmonie zwischen den Bereichen Beruf/Karriere, Familie/Freizeit, Gesundheit/ Körper und Sinn/Kultur. Doch die zeitliche, psychische und physische Belastung gerade junger Klinikärzte macht die Verwirklichung dieser Balance oft unmöglich.
Die Frage lautet: Ist die Situation so, wie sie ist, weil die beruflichen Zwänge unauflösbar sind, oder muss der Arzt „nur“ seine Einstellung ändern? Letzteres behauptet Jörg-Peter Schröder, selbst Arzt. Er beschreibt als Gegenentwurf zum „stressgeplagten und karrieresüchtigen Alphatier“, für den das Leben aus harter Arbeit und Leistungsdruck besteht, den kreativen „Omega-Faulpelz“, der auf anderen anstrengungsfreien Wegen zum Erfolg kommt. Solche Strategien lassen sich aber nur im entsprechenden gesellschaftlich-beruflichen Umfeld realisieren.
Frühzeitig die Weichen stellen
Solange sich dieses Umfeld nicht ändert, zeigen Äußerungen junger Ärzte, wie „Ich sehe meinen Partner kaum. Was passiert, wenn sich Nachwuchs einstellt? Kennt mich mein Kind dann nur vom Foto?“, die Problematik der „Balance-Frage“ in aller Schärfe. Wichtig ist: Sie muss gestellt werden, bevor der Arzt Gefahr läuft, in die Tretmühle zu geraten. Ist er erst einmal in die beruflichen Zwänge eingebunden, ist es schwer, sich daraus zu befreien.
Der Weg zur Work-Life-Balance beginnt mit Selbstverständlichkeiten. Angehende Ärzte sollten sich nicht nur berufliche Ziele setzen, sondern zugleich private und persönliche. Gelingen kann dies mit dem Entwurf einer Lebensvision, eines Lebensziels – die Lebens- und Karriereplanung wird an einem übergeordneten Wert ausgerichtet: Bedeutende familiäre und berufliche Entscheidungen reflektiert der Arzt im Hinblick auf diesen Leitstern: „Dient diese Entscheidung meiner Lebensvision?“
Das Prinzip, Entscheidungen an einem Leitstern auszurichten, ist der rote Faden, der den Arzt in die Richtung der angestrebten Balance leitet: Karriereziele orientieren sich dann ebenso an der Lebensvision wie Freizeit- oder Gesundheitsziele. Das Monatsziel ist am Jahresziel, das Wochenziel am Tagesziel ausgerichtet. Das Ziel auf der jeweils übergeordneten Ebene bietet Orientierung.
Vision und Ziele muss jeder Arzt individuell für sich formulieren. Im Zusammenhang damit steht das Nachdenken, was Erfolg überhaupt ist: Wohlstand und Reichtum? Macht und Einfluss? Gesundheit und Zufriedenheit mit der eigenen Leistung? Ethisch legitimiertes Handeln? Ist derjenige erfolgreicher, der seine Ziele verwirklicht, ohne anderen zu schaden? Diese Fragen bilden bei der Formulierung des Lebensplanes das Fundament – auf der Karriereebene kommt hinzu, die Instrumente und Werkzeuge der Zielplanung zu nutzen. Sie helfen bei der Zielbestimmung, der Prioritätensetzung und der Umsetzung. Folgendes Vorgehen bietet sich an:
- In der Phase der Zielfindung geht es um die Frage „Was will ich?“ – bezogen auf Berufs- und Privatleben. Entscheidend ist, nicht nur an die beruflichen Ziele zu denken. Der Arzt unterscheidet jeweils zwischen Haupt- und Nebenzielen, also etwa Muss- und Kann-Zielen, sowie zwischen lang- (fünf Jahre und mehr), mittel- (bis fünf Jahre) und kurzfristigen Zielen (ein Jahr).
- Bei der persönlichen und beruflichen Situationsanalyse prüft der Arzt, welche Fähigkeiten, Stärken und Schwächen auf der Habenseite stehen: „Welche Erfolge habe ich erreicht, für welche Menschen bin ich bedeutsam?“ Ihm wird bewusst, über welche Fähigkeiten, Talente und Veranlagungen er verfügt und in welchen Bereichen er sich weiterentwickeln muss. Diese Weiterentwicklung kann fachliche, aber auch soziale und emotionale und damit Persönlichkeitsfaktoren betreffen.
- Aus Zielfindung und Bestandsaufnahme leitet der Arzt die konkreten Handlungsziele ab: Welche Maßnahmen muss ich ergreifen, um mithilfe meiner Fähigkeiten die beruflichen und privaten Ziele zu verwirklichen? Schließlich geht es an die Umsetzung.
Prioritäten ändern sich
In die Planung fließen absehbare Ereignisse – etwa Hochzeit, Einschulung der Kinder, Hypothekenentlastung – ebenso ein wie die Erwartungen und Wünsche der Bezugspersonen des Arztes. Aber Achtung: Dieses Vorgehen darf nicht in einen Planungsfetischismus ausarten. Wichtiger als die penible Befolgung dieses Schemas ist der Wille, den Lebens- und Karriereplan zu reflektieren und sich immer wieder Zielklarheit zu verschaffen. Das gebietet schon die Entwicklung auf der Zeitachse: Im Laufe des Berufslebens ändert der Arzt seine Prioritäten – mal rückt der Karriereaspekt in den Vordergrund, mal die Familienplanung oder der Gesundheitsaspekt. Der Arzt achtet darum auf die Flexibilität der Lebens- und Karriereplanung, die er kontinuierlich wiederholt und zumindest bei einschneidenden Veränderungen und Lebensentscheidungen überdenkt.
Wer nun einwendet, man könne sich auch zu Tode planen, muss wissen: Sinnvolle Planung heißt Vorbereitungszeit verdoppeln, um Ausführungszeit zu reduzieren.
Alfred Lange, Praxiscoach
E-Mail: a.lange@medicen.de
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