ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2007125 Jahre Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin: Mensch und Fortschritt

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125 Jahre Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin: Mensch und Fortschritt

Zylka-Menhorn, Vera

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Fast auf den Tag genau vor 125 Jahren, am 20. April 1882, fand im Wiesbadener Kurhaus der erste ,Congress für Innere Medizin‘ statt. Heute stellt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) mit rund 16 500 Mitgliedern eine der größten wissenschaftlichen Vereinigungen in Deutschland dar“, so ihr erster Vorsitzender und derzeitiger Kongresspräsident, Prof. Dr. med. Wolfgang Hiddemann (München), bei seiner Eröffnungsrede. Drei Grundelemente hätten die Zielrichtung der DGIM immer bestimmt: die Einheit der Inneren Medizin, die Verknüpfung von Forschung und Klinik und die ganzheitliche Betrachtung des kranken Menschen. „Jedes dieser Grundelemente ist im Verlauf der Geschichte immer wieder infrage gestellt worden, von unseren Vorgängern aber erfolgreich verteidigt worden“, betonte Hiddemann. Das mache Mut für die Bewältigung anstehender Herausforderungen, denn wieder einmal sei die Trias gefährdet.
Die Einheit der Inneren Medizin erhalten soll unter anderem ein Antrag zur Weiter­bildungs­ordnung, über den im Mai der Deutsche Ärztetag in Münster entscheiden wird. Er sieht vor, die derzeitigen Qualifikationsmöglichkeiten zum Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin sowie zum Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt durch die Option zu ergänzen, sich innerhalb von fünf Jahren wieder zum Facharzt für Innere Medizin ohne Schwerpunkt weiterzubilden (dazu auch „Wiedergeburt des Allgemein-Internisten“ in diesem Heft). Diese Qualifikation entspreche dem traditionellen Grundverständnis der DGIM, das beim Gründungskongress 1882 von Prof. Friederich Theodor von Frerichs wie folgt beschrieben worden sei: „Die innere Heilkunde ist und bleibt der segensspendende Strom, von welchem die Spezialfächer wie Bäche sich abzweigen und gespeist werden, die aber im Sande verrinnen, wenn sie sich abtrennen.“
Als zweite Säule der Inneren Medizin erachtet Hiddemann die enge Verknüpfung von Forschung und Klinik, ohne die medizinischer Fortschritt nicht zu erzielen sei. Voraussetzung dafür sei die Förderung der klinischen Forschung nicht nur durch Geld, sondern auch durch entsprechende Strukturen. Für Hiddemann steht außer Frage, dass Hauptträger der klinischen Forschung die Universitäten sind: „Wenn versucht wird, dieses Prinzip durch Auslagerung zu durchbrechen, oder wenn Forschung und Klinik innerhalb der Universitätskliniken durch das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft angedachte Modell – der sogenannten Doppelspitze – voneinander getrennt werden, wird klinische Forschung erschwert oder gar unmöglich gemacht.“
Der DGIM sei es ein großes Anliegen, betonte ihr Vorsitzender in Wiesbaden, sich zu einer patientenorientierten und damit menschlichen Medizin zu bekennen. Das Kongress-Motto „Hochleistungsmedizin mit Menschlichkeit“ sei bewusst zum 125. Geburtstag der Gesellschaft ausgewählt worden. „Den Begriff der Hochleistungsmedizin allerdings mit Apparatemedizin und Intensivmedizin gleichzusetzen, ist verfehlt“, sagte Hiddemann. Hochleistungsmedizin beinhalte vielmehr höchste fachliche Qualifikation und höchstes Engagement für den Patienten – in seinen körperlichen und seelischen Dimensionen. Hoch qualifizierte Medizin mit Menschlichkeit seien kein Widerspruch, sondern die beiden Grundelemente der ärztlichen Tätigkeit.
Dass der Arztberuf in der Bevölkerung deutlich an Ansehen verloren habe, liegt nach Ansicht von Hiddemann zum Teil in der Ärzteschaft selbst begründet. „Das Gewinnstreben, die Geltungssucht und die Missachtung der Menschlichkeit durch einige wenige Kollegen haben den gesamten Berufsstand in Misskredit gebracht. Darüber hinaus findet eine – fast systematisch zu nennende – Demontage des ärztlichen Ansehens durch die Politik statt, die die Ärzte zu den Hauptverantwortlichen für die derzeitige finanzielle Misere des Gesundheitssystems macht und eine dem Wohl der Allgemeinheit zuwiderhandelnde Allianz zwischen pharmazeutischer Industrie und Ärzteschaft unterstellt.“

Dr. med. Vera Zylka-Menhorn
Ressortleiterin Medizinreport
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