ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2007Gesundheitssystem: Aus der Sicht eines Sachverständigen

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Gesundheitssystem: Aus der Sicht eines Sachverständigen

Dtsch Arztebl 2007; 104(16): A-1084 / B-964 / C-917

Schröter, Frank

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. . . Nach einer fast drei Jahrzehnte währenden und frei von den Zwängen des Systems gebliebenen ärztlichen Erfahrung als Sachverständiger, der sicherlich auch mit einer gewissen Negativauslese konfrontiert wird, kann man die von dem Kollegen Kamps so exemplarisch benannten Fehlentwicklungen in der Alltagsmedizin – die leider zur allseits akzeptierten Normalität geworden sind – nur bestätigen. Wie viele Menschen z. B. mit der Diagnose „Bandscheibenvorfall“ verängstigt und in unsinnige Therapien – bis hin zur Operation – getrieben werden, obwohl sie weder einen Segmentbefund noch eine Neurologie aufweisen, kann man nur erahnen. Die Beispiele ließen sich beliebig mehren. Besonders schwerwiegende Fehlentwicklungen zeigt die sogenannte Schmerztherapie, überwiegend noch durchgeführt von Anästhesiologen, die weder die Fragwürdigkeit der Organpathologie noch die eigentliche (vom Kollegen Kamps angesprochene) psychosoziale Ursachenkomponente erkennen . . . Eine Instanz, die solche abertausendfachen teuren und iatrogen schädigenden Fehlentwicklungen stoppen könnte, ist leider nicht in Sicht. Darin läge aber die eigentliche Aufgabe einer Reform des Gesundheitswesens, die den Namen auch verdient. Nur in einem Punkte bedarf dieser treffende Beitrag von Herrn Kollegen Kamps einer Ergänzung: Nicht wenige Hausärzte überschätzen ihre Kompetenz, veranlassen – und dies nicht nur einmal, sondern immer wiederkehrend – unsinnige, leider aber teure diagnostische Maßnahmen, wie z. B. CT und NMR, ohne dass dies nutzbringend ist, versäumen andererseits, zumindest zur klaren diagnostischen Klärung die nächst höhere Instanz (Fachärzte) in Anspruch zu nehmen, was ebenfalls hin und wieder infolge der Verzögerung einer schwerwiegenden Diagnose in die Katastrophe führt . . .
Dr. med. Frank Schröter,
Institut für Medizinische Begutachtung,
Landgraf-Karl-Straße 21, 34131 Kassel
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