ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2007Adjuvante Therapie mit Trastuzumab bei Mammakarzinompatientinnen: Schlusswort
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Zu Herrn Dr. Tsamaloukas – Unsere Übersichtsarbeit hat bewusst nur die publizierten Daten prospektiv randomisierter Studien zum adjuvanten Einsatz des Antikörpers Trastuzumab beim Mammakarzinom recherchiert und daraus die Quintessenz für die Praxis unter Berücksichtigung der aktuellen Leitlinien gezogen. Die Feststellung, dass in den englischsprachigen Übersichten in der Autorenschaft maßgeblich Onkologen vertreten seien, wohingegen in der Übersichtsarbeit sämtliche Autoren Gynäkologen sind, ist nicht richtig. Die internationale Anerkennung des Beitrages deutscher Gynäkologen ist durch jeweils 4 Hauptautoren in den Publikationen der Daten der HERA-Studie im New England Journal of Medicine 2005 und im Lancet 2007 belegt. Dies reflektiert im Wesentlichen auch die Praxis der systemischen Behandlung bei Brustkrebspatientinnen in Deutschland. Sie ist in über 90 % der Fälle in den Händen der gynäkologischen Kliniken beziehungsweise von gynäkologisch-onkologischen Schwerpunktpraxen (1).
Im Rahmen aller randomisierten Studien wurden Marker zur frühen Erfassung einer Kardiotoxizität untersucht. Die Echokardiographie erschien als die praktikabelste Lösung, dies wird in allen internationalen Leitlinien berücksichtigt.
Der Anteil der Patientinnen mit einer Resistenz gegen Trastuzumab ist aus den Überlebenskurven der publizierten Studien abzulesen: Trotz Chemotherapie und Antikörpertherapie bekamen 19,4 % der Patientinnen Rezidive beziehungsweise Metastasen. Die Untersuchung von prädiktiven Faktoren für eine Trastuzumabresistenz wird in translationalen Forschungsprojekten durchgeführt. Im Rahmen der vierarmigen internationalen Studie ALTTO wird bei über 8 000 Patientinnen die Effektivität von Lapatinib mit Trastuzumab nach adjuvanter Chemotherapie verglichen.
Zu Frau Dr. Zimmer und Herrn Prof Dr. Heyll – Es ist bislang noch nicht bewiesen, ob eine Kombination Taxan plus Trastuzumab nach antrazyklinhaltiger Chemotherapie besser ist als die Sequenz.
Der Hinweis, dass arzneimittelrechtlich die adjuvante Trastuzumabtherapie nach dosisdichten/intensiven Chemotherapien nicht zugelassen sei, entspricht nicht der Realität einer Optimierung der adjuvanten Therapie. Die dosisdichte Chemotherapie hat aktuell ihre Überlegenheit gegenüber der antrazyklin-taxanhaltigen Standard-Chemotherapie bewiesen (2).
Zum neoadjuvanten Einsatz widersprechen sich Dr. Zimmer und Prof. Heyll leider selber: Sie argumentieren mit Recht gegen eine verzögert einsetzende adjuvante Antikörpertherapie mit Verweis auf die Leitlinie der AGO, spätestens 3 Monate nach Ende der Primärtherapie die Trastuzumabgabe zu beginnen. Das heißt, dass bei einer Entscheidung für eine neoadjuvante Chemotherapie auch die Trastuzumabtherapie möglichst früh, also am besten neoadjuvant verabreicht werden sollte (3). Die Geparquattro-Studie mit einem Beginn der Trastuzumabtherapie parallel zur neoadjuvanten Chemotherapie wurde in den Studiengruppen AGO, NOGGO, WSG und GBG erfolgreich zu Ende geführt, die ersten Daten werden im Jahr 2007 erwartet. Die Geparquinto-Studie wird die Substanzen Trastuzumab und Lapatinib im neoadjuvanten Einsatz untersuchen.
Der Aufforderung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, den Stellenwert einer kürzeren Trastuzumabtherapie mit der einjährigen Therapie zu vergleichen, schließen wir uns voll und ganz an.
Die Nebenwirkungen und die Verträglichkeit von Trastuzumab wurden anhand der publizierten Daten in unserem Artikel klar und deutlich dargestellt. Selbstverständlich sind Langzeitdaten bedeutsam und deswegen sehen die internationalen Studien mindestens 10 Jahre Follow-up nach Trastuzumabtherapie vor. Die Gegenanzeigen und Warnhinweise in den Fachinformationen sind wichtig und sollten befolgt werden.

Prof. Dr. med. Michael Untch
HELIOS Klinikum Berlin-Buch
Wiltbergstraße 50
13125 Berlin

Interessenkonflikt
Prof. Untch erhielt von der Firma Hoffmann La Roche, Basel, Vortragshonorare, Studienunterstützung sowie Reisekostenübernahmen. Von der Firma GSK, München bekam er Vortragshonorare.
1.
Jackisch Ch, Untch M, Chatsiproios D et al.: Das Mammakarzinom: Versorgungslage und Therapiequalität in Deutschland 2004. Eine restrospektive Analyse der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie. Zentralbl Gynakol 2006; 128: 352–61. MEDLINE
2.
Möbus V et al.: Dose-dense sequential chemotherapy with epirubicin (E), paclitaxel (T) and cyclophosphamide (C) (ETC) in comparison to conventional schedule chemotherapy in high-risk breast cancer patients (> 4+ LN). Mature results of an AGO-trial. SABCS 2006.
3.
Untch M et al.: A multicenter phase II study of preoperative epirubicin, cyclophosphamide (EC) followed by paclitaxel (P) plus trastuzumab (T) in Her2 positive primary breast cancer. Breast Cancer Res Treat 2005, 94 Suppl.1, Abstr 1064.
1. Jackisch Ch, Untch M, Chatsiproios D et al.: Das Mammakarzinom: Versorgungslage und Therapiequalität in Deutschland 2004. Eine restrospektive Analyse der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie. Zentralbl Gynakol 2006; 128: 352–61. MEDLINE
2. Möbus V et al.: Dose-dense sequential chemotherapy with epirubicin (E), paclitaxel (T) and cyclophosphamide (C) (ETC) in comparison to conventional schedule chemotherapy in high-risk breast cancer patients (> 4+ LN). Mature results of an AGO-trial. SABCS 2006.
3. Untch M et al.: A multicenter phase II study of preoperative epirubicin, cyclophosphamide (EC) followed by paclitaxel (P) plus trastuzumab (T) in Her2 positive primary breast cancer. Breast Cancer Res Treat 2005, 94 Suppl.1, Abstr 1064.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige