ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2007Peter Brüning: Gedankenwege

KULTUR

Peter Brüning: Gedankenwege

Dtsch Arztebl 2007; 104(16): A-1108 / B-989 / C-941

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Peter Brüning „Straßenszene Nr. 4“, Offsetdruck in Schwarz und Silber nach einem Foto, auf Spanplatte aufgezogen, farbig übermalt, 95 × 126 cm, rückseitig betitelt, signiert und datiert 66/67 (Werkverzeichnis Otten Nr. 662). Foto: Eberhard Hahne; VG Bild-Kunst, Bonn 2007
Peter Brüning „Straßenszene Nr. 4“, Offsetdruck in Schwarz und Silber nach einem Foto, auf Spanplatte aufgezogen, farbig übermalt, 95 × 126 cm, rückseitig betitelt, signiert und datiert 66/67 (Werkverzeichnis Otten Nr. 662). Foto: Eberhard Hahne; VG Bild-Kunst, Bonn 2007
Die „Weltsprache des Informel“ geriet Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre in eine Krise, und viele Künstler suchten neue künstlerische Wege. Peter Brüning fand dabei für sich um 1963/64 eine zeitgemäße, allgemeinverständliche und höchst eigene Bildsprache. Er griff auf kartografische Zeichen zurück. Diese Zeichen für Straßenverläufe, Wegekreuzungen, Laub- und Nadelbäume, Höhenlinien, Flussläufe und Brücken wurden zum Ausgangsmaterial seiner Bilder. Was dabei auf den ersten Blick vertraut erscheint, wird beim genaueren Hinsehen unsicher, denn die bekannten Symbole ordnen sich keiner kartografischen Logik unter, sondern einer Bildidee des Künstlers.
Eine eigene Bildgruppe stellen die Gemälde auf Fotogrundlage dar: eine Szene in einer Fußgängerzone, die von einem Foto als Offsetdruck in Schwarz und Silber großformatig übertragen wurde. Überlagert wird das Foto von sparsam gemalten Symbolen für Straßen und Schienenwege. Das Bild erscheint geradezu wie ein Anschauungsbeispiel für die Notwendigkeit, sowohl die Realität wahrzunehmen als auch zwei andere Leistungen zu vollbringen: Stets müssen wir eine Abstraktion vornehmen, um Gemeinsamkeiten und Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, während wir dann unsere abstrakten Konzepte in die Tat umsetzen müssen. Eine Retrospektive zu Brünings Werk findet bis zum 13. Mai im Museum für Moderne Kunst, Duisburg, statt. Hartmut Kraft


Biografie Peter Brüning
Geboren 1929 in Düsseldorf. 1950–1952 Studium an der Kunstakademie in Stuttgart bei W. Baumeister. Regelmäßige Aufenthalte in Paris, Entwicklung eines eigenen informellen Stils. Ab 1963/64 Beschäftigung mit kartografischen Zeichen, die er für Bilder, Objekte und Skulpturen verwendet. 1968 Gestaltung des „Autobahndenkmals“ an der A 1 bei Wuppertal. Teilnahme an der Documenta 4 in Kassel 1969, im selben Jahr Professur für Malerei an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Gestorben 1970 in Ratingen.

Literatur
Brüning P: Superländer und Signale. Kunsthalle, Mannheim 1971.
Otten M-L: Peter Brüning – Studien zu Entwicklung und Werk. Werkverzeichnis. Wienand, Köln 1988.
Otten M-L: Peter Brüning – Das zeichnerische Werk. Wienand, Köln 1997.
Otten M-L., Smerling W: Peter Brüning – Retrospektive. Wienand, Köln 2007.
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