ArchivDeutsches Ärzteblatt11/1997Doppelter Haushalt: Unterm Strich mehr als vorher absetzen

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Doppelter Haushalt: Unterm Strich mehr als vorher absetzen

Buner, Wiebke

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Heftig beschnitten wurde die steuerliche Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung für Arbeitnehmer und Selbständige zum 1. Januar 1996. Die Steuerzahler, die bereits seit 1994 aus beruflichen Gründen am Ort ihrer Tätigkeit ein Zimmer oder eine Wohnung gemietet, vielleicht sogar eine Eigentumswohnung gekauft haben, werden das in ihrem Steuerbescheid für 1996 zum ersten Mal spüren.

Mehr "Wege" als vorher
Denn "doppelt haushalten" dürfen die Bundesbürger unter Beteiligung des Fiskus seit dem vergangenen Jahr nur noch maximal zwei Jahre. Wer sich länger "zwei Haushalte" gönnt, der gilt als inflexibel - oder als verschwenderisch. Beides soll nicht mehr gefördert werden.
Dabei wurde keine Rücksicht darauf genommen, daß sich viele Steuerzahler deshalb auf eine fern vom Wohnort liegende Arbeitsstelle eingelassen haben, weil die Kosten dafür wenigstens zu einem Teil aus dem Staatssäckel mitgetragen wurden: einen "Besitzstand" sieht das Gesetz nicht vor.
Allerdings: Wer nicht mehr im "doppelten Haushalt" lebt, der "wohnt" nur noch - und hat "Wege zur Arbeitsstelle". Und diese Wege vom Arbeitsort "nach Hause" sind nicht nur die Kilometer am Beschäftigungsort, sondern alternativ auch die Fahrten zur Familienwohnung. Und die wurden bisher - neben der doppelten Haushaltsführung - nur einmal pro Woche anerkannt. Nunmehr muß das Finanzamt aber auch mehr als eine Heimfahrt (die ja jetzt keine "Heimfahrt", sondern ein Weg von der Arbeitsstelle nach Hause ist) pro Woche anerkennen. Zwei Fahrten wöchentlich à beispielsweise 100 Kilometer für die einfache Strecke bringen 140 DM absetzbare Werbungskosten - mal 41/3 Wochen = rund 600 DM. Das sind 300 DM pro Monat mehr, als bisher abgesetzt werden konnten.
Falls die Sehnsucht nach der Familie zu groß ist, müßte das Finanzamt sogar eine tägliche Fahrt akzeptieren - steuerwirksam. So könnte es sein, daß ein Arbeitnehmer, der die "doppelte Haushaltsführung" nicht mehr geltend machen kann, einen höheren Werbungskostenabzug hat als vorher. Womit er allerdings rechnen muß: daß der Finanzbeamte ihn nach dem Tachostand in seinem Auto fragt. . .
Zusammengefaßt: Die neue Zweijahresfrist für die steuerliche Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung schließt im Ergebnis nur die Unterkunftskosten vom Abzug (vom steuerpflichtigen Einkommen) aus, wie der Parlamentarische Staatssekretär Hansgeorg Hauser auf eine entsprechende Anfrage im Bundestag geantwortet hat. Im übrigen ist zu erwarten, daß sich mit der Neuregelung zunächst Finanzgerichte und dann auch der Bundesfinanzhof befassen werden. Sobald ein Verfahren beim "Hof" anhängt, haben Steuerzahler die Möglichkeit, sich - ohne selbst aktiv werden zu müssen - an dieses Verfahren anzuhängen. Das Finanzamt läßt den Steuerbescheid dann bis zur Entscheidung in München "offen". WB

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote