ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2007Versicherungsverträge: Vorsicht bei Änderungen

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Versicherungsverträge: Vorsicht bei Änderungen

Dtsch Arztebl 2007; 104(16): A-1110 / B-991 / C-943

Vetter, Michael

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Kritisches Nachfragen schützt vor bösen Überraschungen. Foto: Keystone
Kritisches Nachfragen schützt vor bösen Überraschungen. Foto: Keystone
So mancher Ratschlag eines Vermittlers ist mit Vorsicht zu genießen.

Ärzte nehmen sich wegen ihrer aufwendigen beruflichen Tätigkeit häufig nicht ausreichend Zeit, um wichtige Versicherungsverträge, die sowohl den Privatbereich als auch die Praxis betreffen, zu prüfen. Die „schwarzen Schafe“ der Branche haben dann leichtes Spiel. Kunden sollten insbesondere hellhörig werden, wenn ihnen empfohlen wird,
- bestehende Versicherungsverträge zu ändern („umzudecken“), weil Versicherungssumme und -umfang angeblich nicht mehr ihren persönlichen und beruflichen Verhältnissen entsprechen.
Tipp: Der Arzt sollte in diesem Fall um die Nennung konkreter Mängel bitten (zum Beispiel zusätzliche Risiken bei der Berufshaftpflichtversicherung, zu niedriger Versicherungswert bei Hausrat- und Praxisversicherung) und sich nicht mit Allgemeinplätzen zufrieden geben („Die Inflationsrate ist schließlich auch gestiegen.“).
- von einem Direktversicherer zu einem herkömmlichen Versicherer zu wechseln, weil hier angeblich besser beraten wird.
Tipp: Da auch bei Direktversicherern telefonisch, per Fax oder Brief beziehungsweise per E-Mail beraten wird, ist dieser Hinweis meist wenig wert. Wenn der Arzt dagegen an einer persönlichen Beratung vor Ort interessiert ist, sollte er über die Empfehlung nachdenken. Diese Form der Beratung besitzt in aller Regel aber eben auch ihren Preis, der sich meist im Beitrag widerspiegelt.
- ihre Versicherungen bei einer Gesellschaft zu konzentrieren, weil dort im Schadensfall angeblich großzügiger reguliert wird.
Tipp: Man kann sich zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen (www. vzbv.de) oder bei der Versicherungsaufsicht (www.bafin.de) erkundigen, ob die empfohlene Gesellschaft tatsächlich zu den regulierungsfreundlichen Unternehmen gehört.
- ihre private Lebensversicherung vor Ablauf zu kündigen und gleichzeitig eine neue abzuschließen, weil diese neue Versicherung angeblich besser verzinst wird.
Tipp: Zunächst gilt, dass verbindliche Zinszusagen über die Mindestverzinsung hinaus nicht möglich sind. Deshalb muss man bei einer vorzeitigen Kündigung mit Verlusten ebenso rechnen wie bei einem Neuabschluss mit höheren Beiträgen.
- die Kfz-Versicherung zu wechseln, weil ihnen bei einem Neuabschluss angeblich ein „Mengenrabatt“ gewährt wird, da dort bereits andere Versicherungen bestehen.
Tipp: Den „Mengenrabatt“ über die gesamte Vertragslaufzeit sollte man sich exakt ausrechnen lassen und außerdem den Umfang des künftigen mit dem jetzigen Versicherungsschutz vergleichen.
- den Versicherungsumfang der Wohngebäude- beziehungsweise Praxisversicherung zu erhöhen, weil angeblich „Elementarschäden“, wie Überschwemmungen oder Erdbeben, drohen.
Tipp: Der Arzt sollte den Versicherer um einen schriftlichen Nachweis bitten, dass seine Immobilie beziehungsweise seine Wohnung in einem Gebiet liegt, in dem Elementarschäden zu erwarten sind. Versicherer sind in der Lage, mithilfe des Computerprogramms „Zürs“ („Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen“) derartige Regionen zu benennen.
- eine zusätzliche Restschuldversicherung abzuschließen, um angebliche Kreditrisiken abzusichern.
Tipp: Grundsätzlich gilt zwar, dass eine Restschuldversicherung zur Absicherung der Familie bei einer Kreditaufnahme durchaus sinnvoll ist. Allerdings gibt es bei dieser Versicherungsform erhebliche Prämien- und Leistungsunterschiede, sodass man zunächst selbst sorgfältig vergleichen sollte. Darüber hinaus ist zu prüfen, ob nicht bereits Lebensversicherungen bestehen, die einen zusätzlichen Schutz überflüssig machen.
- zusätzliche Altersvorsorgeprodukte, wie eine Kapitallebens- oder eine Rentenversicherung, abzuschließen, weil trotz Zusatzversorgung angeblich eine Rentenlücke droht.
Tipp: Eine Rentenlücke kann später zwar tatsächlich drohen. Allerdings sollte den Arzt das nicht dazu veranlassen, vorschnell eine Versicherung abzuschließen. Sinnvoller ist es, zunächst einmal sehr sorgfältig die mögliche persönliche Rentenlücke zu ermitteln, zum Beispiel gemeinsam mit der Hausbank oder einem neutralen Wirtschaftsberater. Danach ist gegebenenfalls über eine zusätzliche Absicherung zu entscheiden, dem ein ebenso sorgfältiger Vergleich verschiedener Anbieter vorausgehen sollte.
Michael Vetter
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