GELDANLAGE

Börsebius: Non Omen

Dtsch Arztebl 2007; 104(16): A-1112 / B-992 / C-944

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Reisen bildet. Das ist ja nun wirklich nichts Neues. Wenn es aber noch eines Beweises bedurfte, dass auch selbst vermeintlich unerschütterliche Grundweisheiten zuweilen ins Wanken geraten können, dann ist mir das im tiefsten Anatolien gerade eben widerfahren. Also, ich treff’ da aus purem Zufall einen alten Schweizer Unternehmer, jetzt Ruheständler, der sich nunmehr mit Weltreisen mental über Wasser hält.
Er überlege sich sehr ernsthaft, sagte er mir, sein Geld bei einer deutschen Bank zu parken. Etliche aus seinem Club hätten diesen Schritt schon vollzogen und seien durchaus happy.
Schweizer parken ihr Geld in der Bundesrepublik! Hilfe! Generationen von Deutschen haben schon im Geldanlage-Gen verankert, dass gutes und böses Kapital, vom letzteren natürlich ungleich mehr, gefälligst zu den Eidgenossen zu tragen sei, auf dass der fiskalische Häscher hierzulande sein Pulver erfolglos verschieße. Und nun das, die Züricher, die Basler und die Appenzeller stehen hierzulande mitten in einer Volksbank, einer Sparkasse oder einer Privatbank, zahlen brav ihre Spargroschen ein. Unfassbar, auf nichts mehr ist Verlass.
Des Rätsels Lösung ist zweierlei. Zunächst werden hier einfach höhere Zinsen gezahlt. Konditionen für Festgelder von mehr als drei Prozent sind in der Schweiz unvorstellbar, dort gibt es lediglich mickrige Renditen zwischen einem und zwei Prozent; Araber und arabische Staaten zahlen sogar Strafzinsen. Dazu kommen noch horrende Gebühren für die Kontoführung wie Depotverwaltung, und für die Ausstellung einer in Deutschland gültigen Steuerbescheinigung sind teilweise 1 000 Euro und mehr zu berappen. Eine moderne Form der Wegelagerei halt.
Grund zwei ist die deutsche Steuergesetzgebung. Während die Eidgenossen stolze 35 Prozent ihrer Kapitaleinkünfte an der Quelle besteuern lassen müssen, ist die ab dem 1. Januar 2009 erhobene Abgeltungssteuer von 25 Prozent für im Prinzip alle Kapitaleinkünfte geradezu eine Samariterabgabe.
Während hierzulande die Bürger in heller Aufregung ob der Einführung der Abgeltungssteuer sind, sich geradezu geschröpft fühlen, hält das Ausland die Sache für eine segensreiche Erfindung. Es ist halt alles relativ. Kritiker wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz etwa sehen eine klare Schwächung der privaten Altersvorsorge, und auch die deutsche Fondsbranche bläst kräftig ins Horn, die anhaltende Schädigung des Aktienmarkts sei nur eine Frage der Zeit, und darunter leide dann auch die deutsche Volkswirtschaft.
Gleichwohl, das Gesetz kommt so sicher wie das Amen in der Kirche, aber der Grundpfeiler 25 Prozent auf alle Kapitaleinkünfte dürfte unverrückbar sein. Aber Achtung, die Steuer gilt nur für ab dem 1. Januar 2009 erzielte Einkünfte, für alles, was zuvor an Erträgen anfällt oder gekauft wurde, gibt es einen Bestandsschutz, auch Erben werden nach „altem“ Recht behandelt.
Die Abgeltungssteuer ist also trotz ihres drastischen Titels klar besser als ihr Ruf – Nomen ist nicht immer Omen.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.