ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2007Ärzte-Schach: Ich bin ein Narr!

SCHLUSSPUNKT

Ärzte-Schach: Ich bin ein Narr!

Dtsch Arztebl 2007; 104(16): [112]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer
Ich weiß auch nicht, was mich geradezu zwanghaft immer wieder auf die Neurologen zurückkommen lässt – warum nicht HNO-Ärzte oder Gynäkologen?! Eigentlich sind die Neurologen doch auch nur Menschen wie du und ich. Aber genug der unbefriedigenden und wahrlich nicht erhellenden Einleitung, kommen wir einmal mehr zu Santiago Ramón y Cajal, dessen höchst zwiespältige Beziehung zum Schach ich bereits im Mai letzten Jahres zu illustrieren versuchte.
Dem spanischen Mediziner, der eine Zeit lang auch in Berlin arbeitete, gelang 1889 durch Verbesserung der Färbemethoden von Golgi die erste genaue Darstellung der Nervenbahnen des Gehirns und Rückenmarks sowie der Retina. In seiner Lehre ging er davon aus, dass das Nervensystem aus Ganglienzellen und deren Fortsätzen besteht; 1906 erhielt er den Nobelpreis.
Tanz der Bauern und Königinnen
Nun aber zum Eigentlichen, sprich Schachlichen. In seinen „Erinnerungen an mein Leben“ schreibt er über seine Schachleidenschaft. „. . . Ich sollte hier erzählen, wie ich mich von diesem festhaltenden, hartnäckigen Laster, dem Schachspiel, das mich ernsthaft an den Abenden in seinen Bann zog, befreien konnte. Um meine Vorliebe für das königliche Spiel von Ruy Lopez und Philidor wissend, luden mich verschiedene Mitglieder des Militärkasinos ein, es dort zu genießen (sic!). Ich war schwach genug zuzusagen und hatte einen Start mit wechselndem Erfolg, indem ich mich mit Gegnern von beträchtlicher Spielstärke maß. So nahm meine eigene Geschicklichkeit bald zu und mit ihr die krankhafte Begierde, meine Gegner zu überflügeln. In meiner läppischen Eitelkeit erreichte ich den Punkt, dass ich vier Partien gleichzeitig gegen verschiedene Gegner spielte, unter der zahlreichen Anteilnahme von Zuschauern . . . Ich spielte sogar ohne Ansicht des Brettes.
. . . Mit stetigem Anwachsen dieser Spielsucht fand ich bald meinen Schlaf unterbrochen von Träumen und Albträumen, wo Bauern, Springer, Königinnen und Läufer in einem Wirrwarr rasend zusammen tanzten. Wenn ich am Abend zuvor in einer oder mehreren Partien besiegt worden war, kam es oft vor, dass ich am nächsten Morgen mit schwerem Kopf früh aufwachte und verwirrt in gereizten, verzweifelten Sätzen ausrief: Ich bin ein Narr! Ich hatte ein Schachmatt in vier Zügen und habe es nicht gesehen!“
Doch zum Schluss zwei gute Nachrichten. Es gelang ihm, seine Schachsucht für Jahrzehnte zu überwinden („leider“ nicht für immer), und, als letzte Reminiszenz ans Ärzteturnier 2006, – das „neue“ war eben Ende März, so schnell schießt weder der Chronist, ja, noch nicht einmal das Deutsche Ärzteblatt – sah Dr. med. Michael Jordan (obwohl kein Neurologe!) als Weißer am Zug sehr wohl eine durchschlagende Gewinnkombination gegen Dr. med. Thomas Dettler. Wie kam’s?


Lösung:

Das Springeropfer 1. Sxg6+! entblößte den schwarzen König mit Gewalt. Die Annahme des Opfers mit 1. . . . fxg6 hätte nach 2. Dxg6 (droht 3. Th5 matt) Ld5 3. Tc7 zum Matt auf h7 geführt. Schwarz zog deshalb wohlweislich 1. . . . Kg7, stand aber nach dem Qualitätsverlust 2. Sxf8 auf verlorenem Posten.
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