ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2007Interview: In falschen Händen
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Ich nehme den Artikel zum Anlass, aus der Praxis des Klinikalltags zu berichten: In der Rehaklinik, Bereitschaftsdienst am Wochenende, auch in der Abteilung Neurologie, Patient mit Zustand nach Gehirntumor-OP, benigne. Er ist schläfrig, sprachgestört, an die 70 Jahre alt, von sich aus keine Kontaktaufnahme nach außen. Angeblich könne er nicht schlucken. Die Schwester weigert sich, eine Infusion anzuhängen, weil der Patient eine Patientenverfügung habe. Der Sohn habe das gesagt. Die Haltung ist: nichts machen, sterben lassen. Kein Sohn da, keine Patientenverfügung da. Tatsächlich aber ist der Patient in einem ganz normalen Zustand nach OP, braucht Versorgung, Ansprache, Hinwendung, ist nicht moribund. Kein Patientenfürsprecher anwesend. Abends ist die Infusion durchgelaufen, er hat auch (aus meiner Hand) getrunken, reagiert auf Ansprache, spricht, ist nicht mehr nur schläfrig. So lebensgefährlich kann eine Patientenverfügung in den falschen Händen sein.
Die Autorin ist der Redaktion bekannt.
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