ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2007Interview: Eine ärztliche Tätigkeit
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Mein Vater lag im Oktober 2006 wegen Rückverlegung eines Anus praeternaturalis nach sehr komplizierten Operationen wegen Rektumkarzinom 1999 in einem Klinikum. Nachdem in den ersten zehn Tagen Fortschritte zu verzeichnen waren, kam es dann wieder zu Komplikationen durch einen zu spät erkannten Hydrops der Gallenblase. Er wurde zweifach nachoperiert, ohne sich wieder richtig zu erholen; es blieben ein temporärer AP und eine Dünndarmfistel. 30 Tage post OP wurde er dann nachts pulslos im Zimmer gefunden – wegen MRSA lag er in einem Einzelzimmer. Nach zwei weiteren Tagen ohne Diagnostik auf Intensiv stellte sich montags durch CT ein großer Hirnschaden heraus, der dienstags durch ein neurologisches Gutachten bestätigt wurde (apallisches Syndrom). Da eine notarielle Patientenverfügung vorlag, baten wir (Ehefrau und Kinder) um sofortiges Abstellen aller lebensverlängernden Maßnahmen. Dem wurde jedoch nur teilweise gefolgt, und wir mussten für jedes einzelne Teil, was abgestellt werden sollte (Nährlösung, Heparin), kämpfen. Freitags hatte man dann endlich auch die Beatmung abgestellt (indirekte Sterbehilfe ist ja in Deutschland erlaubt), was man vorher vehement abgelehnt hatte. Die Beatmung hatte man unter Höherdosierung des Morphiums abgestellt, was ja nach Prof. Borasio durchaus fragwürdig ist. Man hatte uns über diese Maßnahme nicht informiert, und diese Aufgabe musste das Pflegepersonal erledigen, dem man das nach Aussage der behandelnden Ärzte „ja auf keinen Fall zumuten konnte“. Meiner Meinung nach ist das – ebenso wie die Intubation und das Anstellen der Beatmung – auch eine ärztliche Tätigkeit . . .
Dr. med. Barbara Sturm, Willy-Brandt-Straße 27, 52385 Nideggen
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