ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2007Pharmaberater: Eindeutiger Auftrag
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Der eigentliche Skandal kommt in Ihrem Artikel nur nebenbei zum Ausdruck: Ein zahlenmäßig bedeutender Teil von uns Ärzten ist nicht in der Lage, eine rationale Pharmakologie in die tägliche Behandlungspraxis umzusetzen. Woher ich das weiß? Von der pharmazeutischen Industrie, denn diese gibt ja nicht umsonst im Hinblick auf die Betriebsbilanz riesige Summen (Sie schreiben: 2,5 Milliarden Euro) dafür aus, dass uns – wenn wir das nicht regulieren – täglich mehrere Pharmareferenten in der Praxis besuchen. Die Frage, ob Pharmareferenten nur Werbung betreiben oder auch informieren, ist nicht wesentlich. Wesentlich ist ihr Auftrag, und der ist eindeutig: Sie haben den Absatz ihrer Produkte zu fördern, und sie werden von ihrem Arbeitgeber angezählt, wenn die Apotheken ihrer Besuchsregion zu wenig Rezepte der beworbenen Produkte erhalten haben. Vor diesem Hintergrund ist es den meist netten Pharmareferenten nicht zu verdenken, wenn sie zur Optimierung ihrer Effekte auch die „emotionale Ebene“ bedienen. So klar wie ihr Auftrag sollte uns Ärzten unser Auftrag auf diesem Gebiet sein: Einsatz von pharmakologisch wirksamen Substanzen zum Vorteil der Patienten. Um das zu gewährleisten, ist aktuelles Wissen notwendig, das möglichst wenig interessengesteuert erworben werden sollte (Publikation in anerkannten Zeitschriften mit gutem Peer Review beispielsweise). Und wenn man neue Substanzen einsetzen will, dann muss man die entsprechenden Studien lesen und verstehen und darf sich nicht allein auf die Hochglanzbroschüren mit den meist deutlich auseinanderstrebenden Kurven verlassen (Placebo versus Verum). Wer das nicht will, der verlässt sich besser auf die Lehrbücher, die allerdings nicht ganz aktuell sein können . . .
Thomas Lindner, Marwitzer Straße 91,
16761 Hennigsdorf
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