ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2007Lehrbuch der Hämato-Onkologie
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Hämatologie und Onkologie: Ungewöhnlich kompakt

Dies ist ein ungewöhnliches Lehrbuch der Hämatologie und Onkologie; in ihm werden einige Grundlagen dieser Fächer beschrieben: Epidemiologie, Ätiologie, Diagnostik und Therapie der verschiedenen Tumor-, Leukämie- und Lymphomerkrankungen. Es beinhaltet aber auch ein Kapitel über Anämien, Hämoglobinopathien, Speicherkrankheiten und Blutgerinnungsstörungen; es gibt Kapitel über die onkologische Pflege, die Gesundheitsökonomie, das DRG-System und die Telemedizin. Es ist also ein ungewöhnlich kompaktes Buch. Noch ungewöhnlicher ist, dass es bis auf die zuletzt genannten Kapitel allein aus der Feder des Herausgebers stammt. Das ist eine beachtliche Leistung, die es ermöglicht, dass die Kapitel einheitlich verfasst sind und Wiederholungen vermieden werden.
Auch in Anbetracht der vom Herausgeber im Vorwort angesprochenen kurzen Halbwertszeit des Wissens auf dem Gebiet der Hämatologie, Hämostaseologie und Onkologie ist es unrealistisch zu erwarten, dass ein einzelner Autor zu diesem riesigen Gebiet durchgehend fehlerfreie und aktuelle Beiträge verfasst. So fehlt zum Beispiel im Kapitel über das Rektumkarzinom die Darstellung der TME; CA 19-9 spielt in der Diagnostik des Colon-CA keine Rolle; die neoadjuvante Chemotherapie von Patienten mit lokal fortgeschrittenem Pankreas-Ca ist kein allgemein akzeptiertes Verfahren; dass Gemcitabin bei inoperablem Pankreas-Ca dem 5-FU überlegen ist, ist nicht fraglich, sondern gesichert. Der lebensverlängernde Effekt der simultanen neoadjuvanten Chemoradiotherapie von Patienten mit Kopf-Hals-Karzinomen wurde in einer Metaanalyse belegt; keiner der „Fazit-Leitsätze“ zur CML entspricht dem derzeitigen Wissensstand. Alle jungen Patienten mit MDS rasch einer Allotransplantation zuzuführen, wäre ein grober Fehler. Mit der konkreten Darstellung der Studien zur Hochdosistherapie der Patienten mit Plasmozytom widerspricht der Autor seiner Aussage, dass dieses Verfahren das Gesamtüberleben der Patienten verlängert – hier und auch an vielen anderen Stellen fehlt dann auch der Hinweis auf die Bezugsdaten, also zum Beispiel bei Plasmozytom der Bezug auf die supportive Therapie oder Melphalan plus Prednison oder Thalidomid? Im Kapitel über chronische myeloproliferative Erkrankungen wird die wesentliche Entdeckung von JAK-2 nicht genannt.
Nützlich sind Hinweise, wer in Deutschland zu welchen Erkrankungen welche Therapiestudien durchführt. Informativ sind vierfarbige Abbildungen zur Pathologie und Zytologie verschiedener Erkrankungen. Gelungen sind die zahlreichen Tabellen, denen jedoch nicht zu entnehmen ist, woher die in den Tabellen genannten Daten stammen. Überhaupt enthält das Buch eine Fülle von nicht durch Referenzen belegten Aussagen. Dieser Schwachpunkt wird durch den Hinweis des Herausgebers nicht gemildert, wenn er sagt, dass das Buch sich in erster Linie an jüngere Ärzte in der Facharztausbildung richtet, die sich einen raschen Überblick über Hämatologie, Hämostaseologie und Onkologie verschaffen wollen. Gerade jüngere Ärzte haben Anspruch auf nachprüfbare Informationen, und ihnen muss vermittelt werden, dass Resultate einer Phase-II-Studie von einem neuen Diagnostik- oder Therapiestandard meilenweit entfernt sind (Allotransplantation bei Patienten mit Nierenkarzinom!). Dieter Kurt Hossfeld

Wolfram Dempke (Hrsg.): Lehrbuch der Hämato-Onkologie. Huber, Bern, 2006, 682 Seiten,
125 Euro
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