ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2007Rita Süssmuth: Wer nicht kämpft, hat schon verloren

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Rita Süssmuth: Wer nicht kämpft, hat schon verloren

Dtsch Arztebl 2007; 104(17): A-1182 / B-1054 / C-1006

Hibbeler, Birgit

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Rita Süssmuth. Foto: ddp
Rita Süssmuth. Foto: ddp
Auf ausgetretenen Pfaden hat sich Prof. Dr. phil. Rita Süssmuth (CDU) in ihrem Leben selten bewegt: Als die Professorin für Erziehungswissenschaften in den Fünfzigerjahren ihr Studium begann, war es völlig normal, dass Frauen mit Eheschließung und spätestens mit dem ersten Kind ihren Beruf an den Nagel hängten. Als Süssmuth 1985 Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit wurde, saßen kaum mehr Frauen im Bundestag als im Reichstag zu Zeiten der Weimarer Republik. 1988 wurde sie zur Bundestagspräsidentin gewählt und war die erste Frau in diesem Amt. Ende Februar ist Süssmuth 70 Jahre alt geworden.
Mit ihrem runden Geburtstag verbindet sich ein weiterer Jahrestag: 1987 wurde das Familienministerium um das zuvor nicht existierende Frauenressort erweitert. Süssmuth ist mit ihren Positionen in der Union oftmals angeeckt. Im Streit um den Abtreibungsparagrafen 218 stellte sie den dritten Weg zwischen Fristenlösung und Indikationsregelung. Ihr Name ist unmittelbar mit einem Wechsel der CDU zu einer moderneren Familienpolitik verbunden. In Süssmuths Amtszeit wurde das Erziehungsgeld eingeführt.
Die Katholikin vertrat ihre Überzeugung auch in anderen Bereichen mit Nachdruck. Süssmuth, heute Ehrenvorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung, setzte sich von Anfang an für eine sachliche Debatte über HIV ein. Mit der Prämisse „Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Infizierten“ trat sie in den Achtzigerjahren den Vorurteilen gegenüber den Betroffenen entgegen. Ihr sei damals „viel Hysterie und Angst begegnet – besonders im Kabinett“, erinnerte sich Süssmuth kürzlich auf der HIV/Aids-Konferenz in Bremen. „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“ lautet der Titel eines ihrer Bücher, in dem sie über ihre Erfahrungen in der Politik berichtet. Birgit Hibbeler
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