ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2007Gastrointestinale stromatumoren: Zweite Chance durch den Wirkstoff Sunitinib

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Gastrointestinale stromatumoren: Zweite Chance durch den Wirkstoff Sunitinib

Dtsch Arztebl 2007; 104(17): A-1188

Junker, Annette

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LNSLNS Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) gehören zu einer seltenen Untergruppe von malignen Tumoren – den Sarkomen –, die durch die Entartung von Bindegewebszellen entstehen. Am häufigsten treten GIST im Magen auf (60 Prozent), gefolgt vom Dünndarm (25 Prozent), seltener in anderen Lokalisationen. Die Inzidenz dieser Tumoren liegt in Deutschland bei etwa 1 200 bis 1 600 Neuerkrankungen pro Jahr.
Die überwiegende Mehrzahl von GIST (etwa 95 Prozent) hat eine oder mehrere aktivierende Mutationen des Wachstumsrezeptors KIT, der beim Tumorwachstum eine wichtige Rolle spielt. Diese Mutationen führen zu einer Liganden-unabhängigen Daueraktivierung der Tyrosinkinase, die über ein onkogenes Signal zur Tumorentstehung und zum Tumorwachstum führt.
Der Tyrosinkinaseinhibitor Imatinib (Glivec®, Novartis) war das erste Medikament, das vorteilhafte Ansprechraten zeigen konnte: Mehr als 81 Prozent erfuhren einen Vorteil unter der Therapie, mit der bei einer Dosierung von 400 mg/Tag 50 Prozent der Patienten circa zwei Jahre progressionsfrei überleben. Viele sprechen dann nach einer Progression noch für einige weitere Monate auf die doppelte Dosierung von
800 mg/Tag Imatinib an, jedoch kommt es aber auch hier nach einer gewissen Zeit zu Progressionen.
In einer Phase-III-Studie, die während des amerikanischen Krebskongresses ASCO 2006 präsentiert wurde, waren 312 Patienten mit primärer oder sekundärer Imatinib-Resistenz oder -Unverträglichkeit eingeschlossen. Sie wurden entweder in 6-wöchigen Zyklen (vier Wochen Therapie, zwei Wochen Pause) mit 50 mg/Tag Sunitinib oder – mangels fundierter Alternative – mit Placebo behandelt. Im Mittel hatten die Patienten zuvor eine Imatinib-Tagesdosis von 800 mg erhalten. Die Studie wurde nach einer geplante Zwischenanalyse im Januar 2005 entblindet, da sich bereits zu diesem Zeitpunkt eine klare Überlegenheit von Sunitinib (Sutent®, Pfizer) gegenüber Placebo gezeigt hatte. Das heißt, Patienten der Placebo-Gruppe wurde auch eine Sunitinibtherapie angeboten.
Unter der Therapie mit Sunitinib betrug die mediane Zeit bis zur Progression 28,9 Wochen, unter Placebo war diese mit 5,1 Wochen deutlich geringer. Im Vergleich zum Sunitinib-Arm war für die Patienten im Placebo-Arm, das Risiko zu sterben, doppelt so hoch, was auch statistisch signifikant war. Nach dem Progress unter Sunitinib kann möglicherweise eine nochmalige Umstellung auf Imatinib wieder wirksam sein.
An Nebenwirkungen der Grade III/IV kam es unter der Therapie mit Sunitinib besonders zu Fatigue (zehn Prozent), Asthenie (fünf Prozent) und Diarrhö (vier Prozent). Außerdem kann es zu einer Verfärbung der Haut kommen, die aber in keinem Fall Grad III/IV erreichte und offensichtlich nicht hepatisch, sondern durch eine Ablagerung der gelben Substanz bedingt ist.
Dr. rer. nat. Annette Junker
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