ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2007Kongressgebühren: Zu Recht als Werbungskosten geltend gemacht

RECHTSREPORT

Kongressgebühren: Zu Recht als Werbungskosten geltend gemacht

Dtsch Arztebl 2007; 104(17): A-1191 / B-1063 / C-1015

Berner, Barbara

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LNSLNS Kosten für die Teilnahme an Fachkongressen sind nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) Werbungskosten, sofern sie beruflich veranlasst sind. Allerdings muss ein konkreter Zusammenhang mit der Berufstätigkeit bestehen. Um dies beurteilen zu können, müssen alle Umstände im Einzellfall gewürdigt werden, befand der BFH.
Im zugrunde liegenden Fall hatte der Kläger, Facharzt für Anästhesie, an einem internationalen Symposium für Anästhesie-, Notfall-, Schmerz- und Intensivbehandlungsprobleme in St. Anton am Arlberg teilgenommen. Dort wurden jeweils von Sonntag bis Freitag vormittags von 9 bis 12 Uhr und nachmittags (14 bis 19 Uhr) verschiedene Vorträge angeboten. Außerdem war es möglich, gegen zusätzliche Gebühren auch in der Mittagspause und in den Abendstunden weitere Workshops und Kurse zu besuchen. Weiterhin nahm der Kläger am „5. Repetitorium Anästhesilogicum“ für Fachärzte in Mayrhofen teil, wo täglich von 9 bis 12 Uhr und von 16 bis 19 Uhr Fachvorträge gehalten wurden.
Bestätigt wurde seine Teilnahme durch Anwesenheitstestate. Neben abgestempelten Unterlagen (ohne Angabe von Uhrzeit und Veranstaltung) legte der Anästhesist Bescheinigungen der Veranstalter vor, nach denen er an allen Kongresstagen bei den entsprechenden Vorträgen anwesend war beziehungsweise an allen Veranstaltungen teilgenommen hatte.
Gleichwohl lehnte das Finanzamt die geltend gemachten Fortbildungskosten in Höhe von 1 065 beziehungsweise 1 834 Euro als Werbungskosten ab. Der BFH urteilte anders. Seiner Auffassung nach war der Teilnehmerkreis der Veranstaltungen homogen, die Kongresse lehrgangsmäßig straff organisiert. Der Kläger habe zudem den Nachweis erbracht, dass er die Kongresse besucht und an den vorgesehenen Vorträgen teilgenommen habe. Der Nutzen des Aufenthalts für die private Lebensführung sei offensichtlich ganz in den Hintergrund getreten. Die Aufwendungen für die Teilnahme an den beiden Kongressen und die Reisekosten seien daher zu Recht als Werbungskosten bei den Einkünften aus nicht selbstständiger Tätigkeit zu berücksichtigen, entschied das Gericht. (Urteil vom 11. Januar 2007, Az.: VI R 8/05) RA Barbara Berner
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