ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2007Pharmamarketing: Reichlich beschenkte US-Ärzte

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Pharmamarketing: Reichlich beschenkte US-Ärzte

Dtsch Arztebl 2007; 104(18): A-1200

Meyer, Rüdiger

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Netto-Zahlungen von der Industrie erhielten 28 Prozent der in den USA befragten Ärztinnen und Ärzte. Foto: Vario Images
Netto-Zahlungen von der Industrie erhielten 28 Prozent der in den USA befragten Ärztinnen und Ärzte. Foto: Vario Images
Nahezu jeder Arzt in den USA erhält Geschenke von Pharmafirmen – sei es in Form von Arzneimittelmustern, kostenfreiem Essen oder der Rückerstattung von Fortbildungskosten. Auch Beraterverträge sind keine Seltenheit. Dies geht aus einer Umfrage im New England Journal of Medicine (NEJM 2007; 356: 1742–50) hervor.
Das beliebteste Marketinginstrument der Pharmaindustrie waren 2003/2004 Geschenke an den Arzt. Meistens sind es kostenfreie Essens- oder Getränkelieferungen, die in der Regel direkt in die Praxis geliefert werden. 83 Prozent der Ärzte, die Eric Campbell vom Institute for Health Policy in Boston befragte, gaben an, dass sie hin und wieder von Pharmafirmen verköstigt würden. Beliebt sind auch Kostenerstattungen nach dem Besuch von cme-Fortbildungen (26 Prozent), wo es in der Regel um produktnahe Themen gehen dürfte. Bei 15 Prozent der Ärzte übernehmen die Firmen auch Reisekosten und Spesen. Mit 28 Prozent ist der Anteil der Ärzte, die Netto-Zahlungen erhalten, recht hoch. Die Schecks werden von der Industrie für Berater- und Sprechertätigkeiten oder auch für den Einschluss der Patienten in klinische Studien bezahlt.
Der warme Regen der Marketinggelder ist keineswegs gleich verteilt. Am meisten profitieren Kardiologen, die als Fachärzte besonders viele und neue Medikamente verordnen und die bei ihren Kollegen hoch angesehen sind. Mit Abstand am seltensten werden Anästhesisten mit Geschenken bedacht. Auch Kinderärzte sind eine „unterprivilegierte“ Zielgruppe.
Unter den Hausärzten kommen jene Ärzte „zu kurz“, die in Health- Maintenance-Organisationen (HMO) eingebunden sind, die den Ärzten häufig vorgeben, welche Präparate sie verordnen sollen. Ärztinnen erhalten übrigens deutlich weniger direkte Zahlungen als männliche Kollegen. Die Pharmafirmen setzen bei Frauen eher auf die Wirkung von Geschenken.
Seit der Pharmaverband PhRMA (Pharmaceutical Research and Manufacturers of America) eine – freiwillige – Selbstverpflichtung herausgegeben hat, welche den Wert der (einzelnen) Geschenke auf 100 US-Dollar begrenzt, weichen die Firmen auf Vertreterbesuche aus. Ihre Zahl hat deutlich zugenommen. rme
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