ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2007Malaria: Gefährlicher Mückenstich

POLITIK

Malaria: Gefährlicher Mückenstich

Dtsch Arztebl 2007; 104(18): A-1209 / B-1077 / C-1029

Meyer, Petra

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Foto: dpa
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Zwischen 300 und 500 Millionen Menschen erkranken jährlich an Malaria. Trotzdem wird zu wenig getan, um der Krankheit vorzubeugen und sie zu heilen.

Es klafft eine große Lücke zwischen den offiziellen Versprechen und den Taten. Die Zahl der Malariaerkrankungen soll bis zum Jahr 2010 halbiert werden. Das beschlossen afrikanische Staatschefs vor zehn Jahren auf einer Konferenz in Abuja. Die Roll-Back-Malaria-Initiative, die von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO), UNICEF, UNDP und der Weltbank gegründet wurde, verfolgt denselben Ansatz. Doch es fehlen nicht nur finanzielle Mittel, um dieses hehre Ziel umzusetzen. Auch die Forschung nach neuen wirksamen Medikamenten hinkt meilenweit hinterher.
Afrika am stärksten betroffen
„Wenn Malaria die Menschen in den Industrieländern bedrohen würde, hätten wir schon längst billige, wirksame Medikamente. Aber leider erkranken zurzeit die meisten Menschen in Entwicklungsländern an dieser Tropenkrankheit“, kritisierte jüngst Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. Die Zahlen sprechen für sich: Eine Million Menschen stirbt nach Angaben der WHO jährlich an Malaria. Etwa 90 Prozent der Todesfälle entfallen auf die afrikanischen Länder. Besonders betroffen sind dabei Kinder unter fünf Jahren und Schwangere. In den ärmsten Ländern Afrikas ist Malaria eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Alle 30 Sekunden, so UNICEF, stirbt ein Kind daran.
Das UN-Kinderhilfswerk ist der weltweit größte Beschaffer und Lieferant von Moskitonetzen, die mit Insektiziden imprägniert sind. 24 Millionen dieser Netze wurden im vergangenen Jahr in Malariagebieten verteilt. Sie sind bislang das beste Mittel, um sich vor dem Stich der Mücke zu schützen. Dennoch schlafen im südlichen Afrika nach Angaben von UNICEF bislang nur etwa vier Prozent aller Kinder unter einem solchen Netz. Würden sie flächendeckend benutzt, könnte die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren um bis zu 25 Prozent gesenkt werden. Doch die meisten Menschen in diesen Ländern sind zu arm, um sich ein Netz kaufen zu können. Malaria gilt als Armutskrankheit und verursacht darüber hinaus Armut. Es wird geschätzt, dass das Bruttoinlandsprodukt allein auf dem afrikanischen Kontinent durch Malaria um rund zwölf Milliarden US-Dollar verringert wird.
Eines der Haupthindernisse im Kampf gegen Malaria ist, dass der Erreger mittlerweile gegen Chloroquin, das billigste und weitverbreitetste Malariamedikament, resistent geworden ist. Viele afrikanische Staaten, in denen die Krankheit endemisch ist, haben zwar ihr nationales Gesundheitsprotokoll auf Kombinationspräparate, die auf Artemesinin basieren (ACT), umgestellt. Doch fehlen ihnen oftmals die finanziellen Ressourcen, um die Medikamente flächendeckend einzuführen. Denn ACT ist um ein Vielfaches teurer als das wirkungslose Chloroquin.
Kein lukrativer Markt
Selbst wenn es gelänge, ACT in allen Gesundheitszentren vorrätig zu haben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Erreger auch gegen dieses Kombinationspräparat resistent wird. Es ist also dringend erforderlich, nach neuen wirksamen und kostengünstigen Medikamenten und diagnostischen Mitteln zu forschen. Allerdings sind die Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln, die in erster Linie Krankheiten in ärmeren Ländern betreffen, für die Pharmaindustrie wenig lukrativ. So wurden in den vergangenen 30 Jahren nur acht Malariamedikamente entwickelt.
Für die Prävention und Behandlung von Malaria sind weltweit rund 3,2 Milliarden Dollar pro Jahr nötig, allein Afrika benötigt etwa 1,9 Milliarden Dollar. Im Jahr 2004 standen indes nur 0,6 Milliarden Dollar zur Verfügung. Die „Europäische Allianz gegen Malaria“, ein neues Bündnis von zehn Organisationen aus fünf Ländern, will sich jetzt dafür einsetzen, dass die Finanzierungslücke im Kampf gegen Malaria langfristig geschlossen wird. Sie fordert zudem mehr Transparenz vom Globalen Fonds für Aids, Tuberkulose und Malaria. Denn bislang ist unklar, wie viele Mittel aus diesem Fonds tatsächlich in die Malariabekämpfung fließen. Zu den deutschen Hilfswerken dieser Allianz gehören das Deutsche Rote Kreuz und die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung.
Petra Meyer


Schwangere eher infiziert

Übertragen wird der Erreger „Plasmodium falciparum“ durch den Stich der weiblichen Anophelesmücke.
Der Parasit zerstört die roten Blutkörperchen, was zu einer lebensbedrohlichen Blutarmut führen kann. In schweren Fällen kommt es auch zu neurologischen Erkrankungen. Unbehandelt führt die Infektion häufig zum Tod. Typische Anzeichen einer Malaria sind Kopfschmerzen, Erschöpfung, Gliederschmerzen, Erbrechen und wiederkehrende Fieberschübe.
Schwangere erkranken aufgrund ihrer verringerten Immunabwehr bis zu dreimal häufiger an Malaria. Eine Infektion während der Schwangerschaft erhöht zudem das Risiko einer Fehl-, Tod- oder Frühgeburt. Aus diesem Grunde ist es wichtig, die Prävention und Behandlung von Malaria in reproduktive Gesundheitsprogramme zu integrieren. Gleichzeitig muss den Menschen erklärt werden, wie die Moskitonetze zu benutzen sind, was die ersten Anzeichen von Malaria sind und wie sie behandelt wird.
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