ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2007Heimbeatmung: Aus eigener Erfahrung
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. . . Seit eineinhalb Jahren betreue ich einen Heimbeatmungspatienten. Vor dessen Pflegepersonal ziehe ich den Hut. Die besondere Herausforderung aber zeigt sich mir viele Stufen weiter unten am Boden der Realität: Dreimal pro Woche ist eine Helferin eine halbe Stunde damit beschäftigt, die Bestellliste des Warenlagers Intensivstation aufs Rezept zu bringen mit Artikeln, deren Funktion ich nur fantasieren kann (Oxi Max neo, Tubusverlängerung DAR, Mini-Spike plus, BePa chip vario, Flocare Überleitungsset Pumpe u. v. a. m.). Die Kasse lässt mich wissen, dass aus Kostengründen künftig Katheterzubehör nicht mit Formulierung A, sondern mit Formulierung B zu verordnen sei. Die Hausbesuche sind über die Hälfte zeitbesetzt von seitenweisem Abzeichnen (bestvorbereiteter) Dokumentationen. Die Organisation einer EEG-Kontrolle mit Antiepileptikaneueinstellung geriet zur never ending story, die nur durch den Schlussstrich der Angehörigen beendet werden konnte. Die Krönung kommt von der Kasse mit Anfragen, ob bauliche Maßnahmen in Zusammenhang mit dem Beatmungsgerät, die Verordnung eines Hochleistungs-Akkus statt eines Normal-Akkus, ein Ersatzbeatmungsgerät wegen Ausfallsmöglichkeit der betriebenen, notwendig seien. Mein Verweis darauf, dass diese Frageninhalte nicht Ausbildungs- und Examensstoff gewesen seien, ändert nichts daran, dass der Vertragsarzt mit seinen vielfältigen Budgetfesseln als kostenloser Dauerdienstleister nicht den Hauch einer Erwähnung, geschweige denn Kalkulationsbeachtung findet.
Dr. Alexander Ulbrich, Birkheckenstraße 1,
70599 Stuttgart
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