ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2007Schlaganfall: Einhäupl irrt
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Der o. g. Artikel rekurriert auf eine Veranstaltung der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, auf der Herr Prof. Einhäupl dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen eine „Pervertierung der Statistiken“ vorwirft. Uns sei nach seiner Aussage jedes Mittel legitim, wenn es um Kostenaspekte gehe. Der Hintergrund seines Vorwurfs ist unser Bericht zu Clopidogrel versus Acetylsalicylsäure in der Sekundärprophylaxe vaskulärer Erkrankungen, der aufgrund der Ergebnisse der CAPRIE-Studie (Lancet 1996; 348: 1329) einen Zusatznutzen von Clopidogrel lediglich bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (paVk) beschreibt. Herr Prof. Einhäupl nimmt an, dass wir auf eine „unwissenschaftliche“ Art und Weise eine Subgruppenanalyse, die keine statistisch signifikanten Ergebnisse für die Gruppe mit Schlaganfall und die Gruppe mit Herzinfarkt erbracht hat, als Grund für die Nichtberücksichtigung des Gesamtergebnisses werten. Der Grund des Irrtums von Herrn Prof. Einhäupl ist seine Annahme, dass in die CAPRIE-Studie konsekutiv Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen rekrutiert und dann in einer Post-hoc-Analyse der Subgruppen (Schlaganfall, Herzinfarkt, paVk) ausgewertet wurden. Dies war nicht der Fall. Vielmehr wurden drei verschiedene
Studienrekrutierungen, eben bei
Patienten mit Schlaganfall, mit Myokardinfarkt und mit paVk getrennt durchgeführt und ausgewertet. Dies kann man allein schon daran erkennen, dass alle drei Gruppen fast die gleiche Patientenzahl (ca. 6 400) aufweisen, was niemals der Fall gewesen wäre, wenn Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen konsekutiv in die Studie aufgenommen worden wären. In der statistischen Analyse nach Beendigung der Studien wurden die drei Studiengruppen zusammengefasst, was aus medizinisch-klinischer Sicht unzulässig ist, da es sich um drei verschiedene Krankheitsentitäten handelt, und biometrisch unzulässig, da der Heterogenitätstest zwischen den Gruppen statistisch signifikant war. Daher muss korrekterweise der Effekt von Clopidogrel für die jeweiligen Studiengruppen betrachtet werden, was keinen signifikanten Vorteil in den Gruppen mit Herzinfarkt und Schlaganfall ergibt.
Prof. Dr. Peter T. Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit
im Gesundheitswesen, Dillenburger Straße 27, 51105 Köln
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