ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2007Fortbildung: Fortbildungsindustrie
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Was der Kollege Rheinwalt schreibt, kann ich nur bestätigen. Jeder sammelt seine Punkte wie früher im Tante-Emma-Laden die Rabattmarken. Ich habe mich auch schon am sicher sehr gut gemachten Online-Fortbildungsprogramm im DÄ beteiligt, um mein cme-Konto aufzufüllen – und das in Gebieten, die von meinem Fachgebiet sicher meilenweit entfernt sind. Mittlerweile scheint, getreu der marktwirtschaftlichen Regel von Angebot und Nachfrage – eine regelrechte Fortbildungsindustrie auf allen Ebenen entstanden zu sein. Die häufig hohen Kosten für die Teilnahme (Gebühr, Anfahrt, Hotel) – auch wenn das dann mal steuerlich irgendwie absetzbar ist – stehen oft in keinem Verhältnis zu den Inhalten der Veranstaltungen. Realität ist doch, dass nationale, aber auch zunehmend regionale Veranstaltungen von Profis ausgerichtet werden, die daran verdienen wollen. Die „eingeladenen“ Redner bekommen die Auslagen erstattet von der Industrie, die sich dort wieder mal präsentiert und für diese Präsentation auch noch bezahlt. Die Veranstalter holen sich das Geld von der Industrie über die Standmiete und über die Kongressgebühr, von der ein Teil auch an die veranstaltende Gesellschaft fließt. Die Teilnehmer, soweit ausreichend unabhängig, zahlen selbst, oder die Teilnahme wird von der Industrie gesponsert, was für die Mehrzahl gilt. Die Industrie letztlich verbucht ihre Kosten für Standmiete, Festabend, Redner, Einladungen etc. unter dem Posten Vertrieb und Marketing und eskomptiert das in den Preisen der Produkte – die wieder von den Krankenkassen getragen werden, dann aber vom Versicherten etc. Wer die „großen Events“ nicht wahrnimmt, kommt nicht umhin, eine Vielzahl regionaler Veranstaltungen aufzusuchen, die ja massiv in ärztlichen Mitteilungen beworben werden – da kann schon mal ein regelrechter Feierabendverkehr einsetzen nach einem langen Arbeitstag. Über die Notwendigkeit der Fortbildung muss überhaupt nicht diskutiert werden, schon um die informationelle Spreu vom Weizen zu trennen; es wird nur wieder über das Ziel hinausgeschossen . . .
Prof. Dr. med. Ulrich Hake, Am Damsberg 6,
55130 Mainz
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