ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2007Akutes Herzinfarktrisiko bei mangelnder Clopidogrelgabe nach koronarer Stentimplantation: Dauer der Clopidogrelgabe unklar

MEDIZIN: Diskussion

Akutes Herzinfarktrisiko bei mangelnder Clopidogrelgabe nach koronarer Stentimplantation: Dauer der Clopidogrelgabe unklar

Dtsch Arztebl 2007; 104(18): A-1245 / B-1109 / C-1061

Waltering, Andreas; Hemkens, Lars

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LNSLNS Wir möchten bezüglich der Empfehlungen zur Therapiedauer nach Implantation eines beschichteten Stents (DES) Folgendes anmerken: Wie die Autoren richtig ausführen, gibt es derzeit (Oktober 2006) keine randomisierten kontrollierten Studien bezüglich einer optimalen Therapiedauer nach Implantation eines Medikamente freisetzenden Stents. In den Vergleichsstudien zwischen Sirolimus-beschichteten und unbeschichteten Stents betrug die postinterventionelle Behandlungsdauer mit Clopidogrel 2 oder 3 Monate, bei Paclitaxel-beschichteten Stents 1 bis maximal 6 Monate. Diese Zeiträume von 3 (Sirolimus), respektive 6 Monaten (Paclitaxel) entsprechen den Herstellerempfehlungen. Eine Angleichung der Therapiedauer auf 6 Monate ohne Berücksichtigung des freigesetzten Wirkstoffes, um die weiterbehandelnden Ärzte nicht zu verwirren, muss aus Gründen des potenziellen Schadens bei bisher fehlendem Nachweis eines Nutzens abgelehnt werden.
Die Empfehlungen für eine Therapie über die genannten Zeiträume hinaus beruhen lediglich auf Beobachtungen aus nichtkontrollierten Studien, Fallberichten und Registerauswertungen (13). In diesen wurde ein vorzeitiges Absetzen zum Teil der gesamten antithrombotischen Therapie (nicht nur der Clopidogrelgabe) vor dem empfohlenen Zeitraum von 3, respektive 6 Monaten beschrieben. Vergleichende beziehungsweise kontrollierte Untersuchungen zu darüber hinausgehenden Therapiezeiträumen liegen nicht vor, daher lässt sich aus diesen Arbeiten unseres Erachtens keine hinreichende Evidenz für den Nutzen einer solchen Therapieverlängerung ableiten. Eventuell erhöht sich sogar das Blutungsrisiko. Es sind dringend entsprechende hochwertige Studien zu fordern.

Weitere Literatur beim Verfasser
Andreas Waltering
Lars Hemkens
Dipl. Psych. Ulrike Didjurgeit
DIeM – Institut für evidenzbasierte Medizin
Venloer Straße 301–303
50823 Köln
E-Mail: a.waltering@di-em.de

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Iakovou I, Schmidt T, Bonizzoni E et al.: Incidence, predictors, and outcome of thrombosis after successful implantation of drug-eluting stents. JAMA 2005; 293: 2126–30. MEDLINE
2.
Jeremias A, Sylvia B, Bridges J et al.: Stent thrombosis after successful sirolimus-eluting stent implantation. Circulation 2004; 109: 1930–2. MEDLINE
3.
Spertus JA, Kettelkamp R, Vance C et al.: Prevalence, predictors, and outcomes of premature discontinuation of thienopyridine therapy after drug-eluting stent placement: results from the PREMIER registry. Circulation 2006; 113: 2803–9. MEDLINE
1. Iakovou I, Schmidt T, Bonizzoni E et al.: Incidence, predictors, and outcome of thrombosis after successful implantation of drug-eluting stents. JAMA 2005; 293: 2126–30. MEDLINE
2. Jeremias A, Sylvia B, Bridges J et al.: Stent thrombosis after successful sirolimus-eluting stent implantation. Circulation 2004; 109: 1930–2. MEDLINE
3. Spertus JA, Kettelkamp R, Vance C et al.: Prevalence, predictors, and outcomes of premature discontinuation of thienopyridine therapy after drug-eluting stent placement: results from the PREMIER registry. Circulation 2006; 113: 2803–9. MEDLINE

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