ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2007Akutes Herzinfarktrisiko bei mangelnder Clopidogrelgabe nach koronarer Stentimplantation: Clopidogrel soll Kardiologe verschreiben

MEDIZIN: Diskussion

Akutes Herzinfarktrisiko bei mangelnder Clopidogrelgabe nach koronarer Stentimplantation: Clopidogrel soll Kardiologe verschreiben

Dtsch Arztebl 2007; 104(18): A-1246 / B-1110 / C-1062

Jakasovic, Claudio; Lenz, Christine; Poetzsch, Peter; Schelling, Ulf; Schelling, Jörg; Standl, Albert; Sellmayer, Alois

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LNSLNS An der Notwendigkeit der Plättchenhemmung mit ASS und Clopidogrel bei Medikamente freisetzenden Stents ist nicht zu zweifeln. Die Crux liegt aber in der Umsetzung. Das Problem der Off-label-Verschreibung von Clopidogrel, der möglichen Regresse und der Budgetbelastungen für niedergelassene Hausärzte ist ein bedeutender Aspekt. Hier ist die Fachgesellschaft gefordert, mit den Kostenträgern, der ärztlichen Selbstverwaltung oder dem Gesetzgeber die garantierte Verordnungsfähigkeit von Clopidogrel zu vereinbaren. Dieser Streit darf nicht auf dem budgetären Rücken der Hausärzte ausgetragen werden.
Ein weiteres Problem liegt in der Kommunikation zwischen interventionellen Kardiologen und Hausärzten. Woher weiß der interventionelle Kardiologe von der Compliance des Patienten, von geplanten baldigen Operationen oder von anderen Problemen, die gegen eine langfristige Verordnung von Clopidogrel sprechen? Der Hausarzt wird hierzu nicht kontaktiert.
Silber et al. konstatieren, dass „das Vorenthalten von Clopidogrel bis zur vollständigen Endothelialisierung des Stents ein grob ärztliches Fehlverhalten“ ist. Wer kann diese Zeitspanne genau voraussagen? Allenfalls der interventionelle Kardiologe. Dieser muss dann eine verbindliche Zeitangabe machen. Wem ist die Schuld für eine unzureichende Verordnung von Clopidogrel zuzuweisen? Die eigentliche Verantwortung für die garantiert ausreichende Gabe von Clopidogrel liegt wohl beim „Verursacher“ des Problems, dem interventionellen Kardiologen. Daher wäre eine probate Lösung, dass dieser den Patienten für die von ihm als notwendig festgesetzte Zeit mit Clopidogrel versorgt. Damit würde „grob ärztliches Fehlverhalten“ der Hausärzte ausgeschlossen und eine optimale Versorgung der Patienten gewährleistet. Den Clopidogrel-Konflikt aber auf dem Rücken der oft schlecht informierten und von budgetären Zwängen deutlich mehr betroffenen Hausärzte auszutragen, ist unkollegiales und dem Patienten gegenüber unethisches Verhalten.

Dr. med. Claudio Jakasovic
Dr. med. Christine Lenz
Dr. med. Peter Poetzsch
Dr. med. Ulf Schelling
Dr. med. Jörg Schelling
Dr. med. Albert Standl
Prof. Dr. med. Alois Sellmayer
Lehrbeauftragte für Allgemeinmedizin der Universität München
Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Alois Sellmayer
Oberdill 59, 87659 Hopferau
E-Mail: ap.sellmayer@gmx.de
Interessenkonflikt
Herr Prof. Sellmayer übt eine honorierte Vortragstätigkeit für die Firma Bristol-Myers-Squibb aus. Die anderen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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