ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2007Akutes Herzinfarktrisiko bei mangelnder Clopidogrelgabe nach koronarer Stentimplantation: Medikationsdauer umstritten

MEDIZIN: Diskussion

Akutes Herzinfarktrisiko bei mangelnder Clopidogrelgabe nach koronarer Stentimplantation: Medikationsdauer umstritten

Dtsch Arztebl 2007; 104(18): A-1246 / B-1110 / C-1062

Meyer, Frank P.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Es mag sein, dass bei Medikamente freisetzenden Stents eine duale Thrombozytenaggregationshemmung über 6 Monate oder länger erfolgen muss. Plausibel wäre auch eine lebenslange Plättchenhemmung. Leider gibt es für die von Silber et al. favorisierte Kombination Acetylsalicylsäure (ASS) plus Clopidogrel keine kontrollierten (vergleichenden) Untersuchungen. Ersatzweise erwähnen die Autoren mehrfach 2 ältere Arbeiten (1, 2), in denen allerdings nur die Kombination Ticlopidin plus ASS versus ASS über 30 Tage geprüft wurde. Diese magere Datenlage rechtfertigt meines Erachtens nicht die Aufnahme von Clopidogrel in die Positivliste des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses zur Off-label-Verschreibung – wie Silber et al. fordern.
Es ist ja auch zu beachten, dass die langfristige Kombination von Clopidogrel plus ASS im Vergleich zu ASS über 28 Monate bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen oder multiplen Risikofaktoren (CHARISMA-Studie) praktisch keinen Nutzen brachte. Der primäre Endpunkt wurde nur um 0,5 % gesenkt. Allerdings traten unter der Kombination Blutungen 1,3 % häufiger auf (3). Es wären also schon längerfristige Studien bei Patienten mit Stents erforderlich, um zu vermeiden, dass die monatelange duale Hemmung zu einem – für manche Patienten möglicherweise fatalen – nicht mehr hinterfragten Selbstläufer wird. Nach unserem jetzigen konkreten Wissen stellt es also auch „kein grob ärztliches Fehlverhalten dar“ (Silber et al. 2006), wenn verantwortungsbewusste Ärzte einer dualen Plättchenhemmung über 6 bis 12 Monate oder länger kritisch gegenüber stehen.


Prof. em. Dr. Frank P. Meyer
Magdeburger Straße 29, 39167 Groß Rodensleben

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Leon MB, Baim DS, Popma JJ et al.: A clinical trial comparing three antithrombotic-drug regimens after coronary-artery stenting. N Engl J Med 1998; 339: 1665–71. MEDLINE
2.
Hall P, Nakamura S, Maiello L et al.: A randomized comparison of combined ticlopidine and aspirin therapy versus aspirin therapy alone after successful intrvascular ultrasound-guided stent implantation. Circulation 1996; 93: 215–22. MEDLINE
3.
Bhatt DL, Fox KA, Hacke W et al.: Clopidogrel and aspirin versus aspirin alone for the prevention of atherothrombotic events. N Engl J Med 2006; 354: 1706–717. MEDLINE
1. Leon MB, Baim DS, Popma JJ et al.: A clinical trial comparing three antithrombotic-drug regimens after coronary-artery stenting. N Engl J Med 1998; 339: 1665–71. MEDLINE
2. Hall P, Nakamura S, Maiello L et al.: A randomized comparison of combined ticlopidine and aspirin therapy versus aspirin therapy alone after successful intrvascular ultrasound-guided stent implantation. Circulation 1996; 93: 215–22. MEDLINE
3. Bhatt DL, Fox KA, Hacke W et al.: Clopidogrel and aspirin versus aspirin alone for the prevention of atherothrombotic events. N Engl J Med 2006; 354: 1706–717. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.