ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2007Eradikation und Tilgung von Seuchen: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Eradikation und Tilgung von Seuchen: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(18): A-1249 / B-1113 / C-1065

Mayr, Anton

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LNSLNS Der Kommentar von Prof. Bautsch ist sehr wertvoll, weil er mir die Gelegenheit gibt, nochmals auf die Unterschiede zwischen den Begriffen Eradikation und Tilgung einzugehen. Wie Prof. Bautsch andeutet, handelt es sich bei Eradikation (lat. eradico: mit der Wurzel ausreißen, ausrotten), Tilgung, Ausrottung und so weiter im sprachlichen Sinne um Synonyme. Die willkürliche Verwendung dieser Synonyme führt aber, wie man an dem Beispiel sieht, zu Missverständnissen, weshalb man genau differenzieren muss. Es bietet sich an, in der Infektionsmedizin unter Eradikation die Ausrottung der Erreger und der Infektionskrankheit zu verstehen, den Begriff Tilgung dagegen nur auf die Krankheit zu beziehen, das heißt nur die Krankheit, nicht aber der Erreger, werden getilgt. Prof. Bautsch hat deshalb sehr richtig darauf hingewiesen, dass die Erkrankung Poliomyelitis seit 1999 in den Regionen West-Pazifik und Europa getilgt ist und gegenwärtig nur noch in wenigen Gebieten der Erde endemisch vorkommt. Auf die Schwierigkeiten, die Poliomyelitisviren weltweit auszurotten, habe ich bereits in meinem Beitrag hingewiesen.
Zum Kommentar von Frau Dr. Teewen möchte ich zuerst klarstellen, dass es seit Einführung der Impfprophylaxe immer auch Impfgegner gegeben hat. Trotzdem haben sich die Schutzimpfungen weltweit durchgesetzt. Es werden nicht nur ständig neue Impfstoffe entwickelt, vorhandene Impfstoffe werden auch laufend verbessert, wie zum Beispiel der Impfstoff gegen die Masern, der heute nicht nur hoch wirksam, sondern auch sehr gut verträglich ist.
Im Kapitel „Schutzimpfungen“ meines Beitrages sind in der Einleitung die Grundvoraussetzungen für die Wirksamkeit von Schutzimpfungen aufgezeigt. Dazu gehören nicht nur die Qualität der Impfstoffe, lege artis durchgeführte Impfungen, beginnend mit der Grundimmunisierung (2 Impfungen) und regelmäßigen Auffrischungsimpfungen, sondern auch die Kombination mit seuchenhygienischen Maßnahmen, wie Verbesserungen der Lebensbedingungen und Hygiene.
Kurz noch eine Bemerkung zur Schutzimpfung gegen Influenza: die gegenwärtigen Influenza-Impfungen sind noch nicht optimal.
Neuimpflinge sollten grundsätzlich zweimal im Abstand von 3 bis 4 Wochen geimpft (Grundimmunisierung) und darauf hingewiesen werden, dass erst 1 bis 2 Wochen nach der zweiten Impfung mit einer belastbaren Immunität gerechnet werden kann.
Statt der zurzeit üblichen hoch gereinigter Vakzinen aus Untereinheiten mit international aktuellen Influenza Subtypen, sollten für eine prophylaktische, allgemeine Schutzimpfung Ganzimpfstoffe, hergestellt aus den wichtigsten Subtypen der letzten Jahre eines Gebietes, verwendet werden.

Literatur
Rolle M, Mayr A (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 8. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag 2006.

Prof. Dr. med. vet. Dr. h.c. mult. Anton Mayr
Lehrstuhl für Mikrobiologie und Seuchenlehre
Tierärtzliche Fakultät München
LMU München
Weilheimer Straße 1, 82319 Starnberg

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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