ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2007Caen und Rouen: Rivalinnen von Paris

KULTUR

Caen und Rouen: Rivalinnen von Paris

Dtsch Arztebl 2007; 104(18): A-1253 / C-1069

Michael, Christian

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Im 11. Jahrhundert wurde mit dem Bau der Abbaye-aux- Hommes in Caen begonnen. Fotos: Christian Michael
Im 11. Jahrhundert wurde mit dem Bau der Abbaye-aux- Hommes in Caen begonnen.
Fotos: Christian Michael
Die normannischen Städte müssen sich nicht hinter der Hauptstadt verstecken.

Normandie – Gourmandie: Die Region, knappe zwei Stunden von Paris entfernt, muss sich nicht hinter der Hauptstadt verstecken. Im Gegenteil: Was heute den Ruf des zentralistisch regierten Frankreich ausmacht, geht häufig auf Errungenschaften aus der Provinz zurück. Cidre, Camembert und Calvados lassen grüßen.
Dabei steht die Normandie für mehr als nur gepflegte Küche. Die besondere Mélange aus Geschichte und Kultur, Kunst und Architektur, gepaart mit dem unverkennbar normannischen Charakter aus knorriger Bodenständigkeit und maritimer Weltoffenheit, kumuliert in den beiden Städten, die seit jeher Bewunderer gefunden haben. Claude Monet, den Meister des Impressionismus, zog es in die Hauptstadt der Haute Normandie, nach Rouen, und die Piaf wohnte hier ab und zu bei ihrer Familie, während heute in der Kapitale der unteren Normandie, Caen, mehr als ein Viertel der Einwohner nichtnormannische Studenten sind.
Seit Caens Gründung im 11. Jahrhundert durch Wilhelm, der damals noch den Beinamen „der Bastard“ trug und erst nach der Unterwerfung Englands „Eroberer“ hieß, hat das mittelalterliche Stadtzentrum manch kriegerischer Auseinandersetzung widerstehen können. Erst der heftigen Bombardierung durch die Royal Air Force im Zuge der Invasion von 1944 hatte die Stadt nichts mehr entgegenzusetzen. Unversehrt blieben die beiden Abteien.
Wahrzeichen Rouens: Der Zeiger der „Gros Horloge“ markiert allein die Stunden.
Wahrzeichen Rouens: Der Zeiger der „Gros Horloge“ markiert allein die Stunden.
Als im Mittelalter die Normandie einer der reichsten und mächtigsten Staaten Europas war, entstanden prächtige Bauten. Um den Papst gnädig zu stimmen, der die Heirat mit seiner Cousine Mathilde zunächst ablehnte, ließ Wilhelm die Abbaye-aux-Hommes und seine Gemahlin die Abbaye-aux-Dames errichten. Mit der räumlichen Verbindung der beiden Abteien, die als Juwelen normannischer Architektur gelten, schufen sie ein Symbol ihrer Liebe. Der Caener Sandstein, aus dem die Treppen der Abteien gehauen sind, avancierte nach der Eroberung Englands zum Exportschlager: Er wurde für den Bau des Londoner Towers, der Abtei von Westminster und der Kathedrale von Canterbury verwendet.
Unterhalb der herzoglichen Festung, des Château Ducal, liegt das Herz der Stadt. In der vergleichsweise friedlichen Zeit zwischen Renaissance und Aufklärung formte Caen sein Stadtbild, das von den herrlichen Fassaden der alten Herrenhäuser im Quartier Le Vaugeaux, an der Place Saint-Sauveur, in der Rue Froide, der Rue Ecuyère und der Rue Saint-Pierre geprägt wird.
Rouen dagegen galt lange als Rivalin von Paris; Stendhal beschreibt sie gar als „in den Dingen des Mittelalters schönste Stadt Frankreichs“. Rouen, die Stolze an der Seine, Muse zahlreicher Künstler von Pierre Corneille über Jean-Paul Sartre und Gustave Flaubert bis zu Victor Hugo, hat bis heute ihren Charme bewahrt. Unbestritten gilt die Kapitale der Normandie als Frankreichs Fachwerk-Hauptstadt. Prächtig herausgeputzte Gebäude aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Klassizismus bilden ein Ensemble von seltener Konzentration – ohne Kulisse zu sein. Angetrieben vom eigenen Entdeckungsdrang, wird der Besucher in diesem großen „Freilichtmuseum“ geschleust vom Vieux-Marché bis zum Antiquitäten-Viertel um Saint-Maclou, von der weltweit einmaligen Sammlung im Kunstschmiedemuseum bis zur beeindruckenden Impressionisten-Ausstellung im Musée des Beaux-Arts. Oder er lässt sich einfach treiben auf der seit Römertagen lebendigsten Achse der Stadt, der Fußgängerzone.
Über das Treiben wachen Rouens 100 Kirchtürme. Eine Symphonie der Farben komponieren die aus afghanischem Lapislazuli und Kobalt hergestellten Bleiglasfenster der Kathedrale Notre-Dame, während in der riesigen Abteikirche Saint-Ouen die Klänge eines der größten Werke des Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll verzaubern. Die grausame Seite zeigen sehr eindrucksvoll das anlässlich der Pest 1348 errichtete Gebeinhaus Saint-Maclou und die Reminiszenzen an Frankreichs Nationalheilige, Jeanne d’Arc, die am 30. Mai 1431 auf dem Scheiterhaufen des Vieux-Marché verbrannt wurde. Christian Michael

Information: Maison de la France, Zeppelinallee 37, 60325 Frankfurt, Telefon: 09 00/ 1 57 00 25, Fax: 09 00/ 1 59 90 61, E-Mail: info.de@franceguide.com, Internet: www.franceguide.com
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