WIRTSCHAFT

Palazzo Protzo

Dtsch Arztebl 2007; 104(18): A-1259 / B-1119 / C-1071

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Ist eigentlich von Belang, wie der Chef einer Aktiengesellschaft haust? In Geschäftsberichten wird eine solche Fragestellung noch nicht einmal im Ansatz beantwortet, selbst bei Angaben über Einkommensverhältnisse herrscht meist nur Nebulöses vor. Das ist durchaus schade, denn in einer aufsehenerregenden Studie haben die beiden US-Forscher David Yermack (New York University) und Crocker Liu (Arizona State University) nachgewiesen, dass die Größe und der Wert der Villa eines Chief Executive Officers (Vorstandsvorsitzenden) hervorragende Indikatoren dafür sind, wie sich künftig die Aktien des betreffenden Unternehmens entwickeln werden.
Je größer das Anwesen, umso negativer entwickelt sich der Börsenkurs. Dieser zunächst verblüffende Effekt wird noch verstärkt, wenn der Boss weitere Spielzeuge hegt und pflegt, wie eine private Pferderennbahn oder den eigenen Jet. Genau besehen ist das aber keine wirkliche Überraschung, denn im Grunde genommen ist klar, dass solche Leute einfach schon zu satt sind und sich mehr Gedanken über den Ausbau des privaten Umfelds machen, als den Gewinn der Aktionäre zu steigern.
Einziger Makel dieser Untersuchung: Für Europa und Deutschland fehlen bislang Erhebungen ähnlicher Art. Mag ja noch kommen. Der geübte Spurenleser kann aber durchaus andernorts fündig werden. Ich erinnere mich noch gut an etliche Analystenkonferenzen, als der Neue Markt noch in seiner spekulativen Hochblüte stand und nahezu alle Experten den von Vorständen verzapften Blödsinn für bare Münze nahmen – je großspuriger, desto mehr wurden den Leuten damals die Aktien aus den Händen gerissen.
Auf einer solchen Veranstaltung, bei der ein Börsengang vorgestellt wurde, lauschten die jungen Kollegen dem Vorstandsvorsitzenden wie gebannt und staunten über die Erfolgsaussichten des „Going Public“. Das konnte, das musste ja gutgehen.
Der erste Börsenkurs lag dann auch 50 Prozent über dem Emissionspreis, und sechs Monate später hatte sich der Kurs vervierfacht. Ich selbst hatte bei der damaligen Roadshow ein ziemlich mulmiges Gefühl. In einem persönlichen „Hintergrundgespräch“ mit dem Boss des Unternehmens, das
ungefähr eine halbe Stunde dauerte, blitzte an seinem Handgelenk eine mit Brillanten besetzte Rolex nebst Goldkettchen auf. Dieses protzige Gehabe und der großspurige Auftritt des Herrn veranlassten mich, von der Emission Abstand zu nehmen. Binnen Jahresfrist stürzte der Kurs auf ein Zehntel des ersten Börsenkurses ab.
Das war damals sicher kein Einzelfall. Wer sich an die Auftritte von Ron Sommer, dem ehemaligen Chef der Deutschen Telekom, erinnert, der sich wie ein Sonnengott höchstselbst aufführte, weiß, dass Hochmut stets vor dem Fall kommt. Auch wenn es manchmal dauert.

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Wie an jedem 1. Samstag des Monats können Sie auch am 5. Mai 2007 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen. Wenn Sie also in Finanzdingen „der Schuh drückt“, wählen Sie bitte 02 21/98 54 80-17.
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