ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/20073 Fragen an… Dr. med. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin

POLITIK

3 Fragen an… Dr. med. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin

PP 6, Ausgabe Mai 2007, Seite 204

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DÄ: Dem G-BA wird im Gesetz die Regelung der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung zugewiesen. Kann man das als einen direkten Angriff auf die Stellung der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) verstehen?
Jonitz: Im Prinzip nein. Die Zuständigkeiten für die Qualitätssicherung hatte der G-BA bereits zuvor. Zwischen den Zeilen und in der ursprünglichen Begründung spürt man allerdings die versuchte Enteignung der Träger der BQS – nämlich GKV, PKV, DKG, BÄK unter Beteiligung des Deutschen Pflegerates – durch die Politik und den G-BA.

DÄ: Der Vorsitzende des G-BA mahnt eine größere Unabhängigkeit des neu auszuschreibenden QS-Instituts von den Leistungserbringern an. Kann eine Organisationsform wie die des IQWiG dafür Vorbild sein?
Jonitz: Die BQS ist unabhängig. Wer anderes behauptet, muss Belege dafür liefern. Der G-BA macht gesetzesähnliche Vorgaben und ist deshalb eine Körperschaft. Das IQWiG soll unabhängig denken und ist eine Stiftung. Die BQS soll die Qualitätsentwicklung vorantreiben. Das geht nur mit den Betroffenen und schon gar nicht gegen diese. Deshalb ist die BQS eine GmbH in gemeinsamer Trägerschaft der Verantwortung Tragenden im Gesundheitswesen. Wer es anders will, wird scheitern. Irgendwelche Zahlen und Meinungen einer frei im Raum schwebenden Einrichtung werden lediglich Ausweichmanöver produzieren – und vorher viel Papier.

DÄ: Halten Sie die sektorenübergreifende Qualitätssicherung grundsätzlich für sinnvoll?
Jonitz: Qualität ärztlicher und pflegerischer Arbeit ist nicht auf Sektoren beschränkt. Viele Ergebnisse der Krankenhausbehandlung werden erst im ambulanten Bereich oder in der Reha sichtbar. Deshalb ist eine sektorenübergreifende Qualitätssicherung unabdingbar. Der Kardinalfehler ist auch hier der wohl unstillbare Wunsch einiger Alt-Denker nach einer Qualitätskontrolle durch Konfrontation mit mehr oder weniger belastbaren Zahlen aus zusammengestellten Routinedaten. Qualitätsmanagement ist aber ein Führungsinstrument und kein Mess- oder Kontrollinstrument. Um zu führen, brauche ich relativ wenige Zahlen und den Mut, die richtigen Fragen zu stellen und Verantwortung zu übernehmen. Daran fehlt’s.
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