ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2007Missbrauchserfahrung: Einfluss auf spätere Drogenabhängigkeit

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Missbrauchserfahrung: Einfluss auf spätere Drogenabhängigkeit

PP 6, Ausgabe Mai 2007, Seite 224

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LNSLNS Die Aufarbeitung der Ursachen ist ein wichtiger Bestandteil in der Therapie der Drogenabhängigkeit. Wissenschaftler der Universität München haben jetzt untersucht, welchen Einfluss Traumatisierungen durch Kindesmissbrauch auf eine spätere Drogensucht haben. Sie befragten 83 drogenabhängige Patienten in Suchtstationen nach sexuellen Missbrauchserfahrungen, körperlicher und emotionaler Misshandlung, Vernachlässigung sowie familiärer Gewalt in der Kindheit. Darüber hinaus erfassten sie psychische und suchtrelevante Beeinträchtigungen. Es stellte sich heraus, dass fast alle Drogensüchtigen einer Vielzahl von Misshandlungen in der Kindheit ausgesetzt waren. Misshandelte Patienten litten unter mehr psychischen Erkrankungen und hatten eine höhere Symptombelastung als nicht misshandelte Patienten. Besonders betroffen waren Patienten, die sexuell miss-braucht worden waren. Bei ihnen waren die psychischen Symptome am stärksten ausgeprägt. Darüber hinaus litten sie unter einem negativen Selbstbild, phobischen Angstzuständen, Entfremdung und Depressivität. Ihre psychischen Belas-tungswerte erreichten das Niveau von schizophrenen Patienten. Fast im gleichen Ausmaß waren auch die Opfer familiärer Gewalt betroffen. Trotz der festgestellten Folgen führten Misshandlungen und Missbrauch in der Kindheit nicht zu einem erhöhten Drogenkonsum. „Es wird deutlich, wie wichtig eine Einteilung der Drogenpatienten in Gruppen ist, um die jeweiligen Missbrauchserfahrungen in der Kindheit in die Therapie zu integrieren“, sagen die Wissenschaftler. Eine solche Einteilung ermögliche nicht nur eine differenziertere Therapie, sondern erhöhe auch die Therapieerfolgschancen für die Drogenpatienten. ms

Schnieders M, Rassaerts I, Schäfer M, Soyka M: Der Einfluss kindlicher Traumatisierung auf eine spätere Drogenabhängigkeit. Fortschr Neurol Psychiat 2006; 74: 511–21.
Prof. Dr. Michael Soyka, Psychiatrische Klinik der Universität München, Nußbaumstraße 7,
80336 München
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