ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2007Stigmatisierung: Von der Angst, Hilfe zu suchen

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Stigmatisierung: Von der Angst, Hilfe zu suchen

PP 6, Ausgabe Mai 2007, Seite 226

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LNSLNS Forscher der Iowa State University haben untersucht, weshalb sich Menschen mit psychischen Problemen nicht in psychologische oder psychotherapeutische Hilfe begeben. Sie fanden zwei Formen der Stigmatisierung, eine öffentliche und eine selbstbezogene. Die öffentliche Stigmatisierung bezieht sich auf die Wahrnehmung von Gruppen oder der Gesellschaft, dass psychisch erkrankte Personen unerwünscht und inakzeptabel sind. Infolge davon werden psychisch erkrankte Personen diskriminiert, angegriffen und ausgegrenzt. Psychisch Erkrankte begeben sich nicht in Behandlung, um ihre Erkrankung geheim zu halten und dadurch öffentliche Stigmatisierung zu vermeiden. Die Selbststigmatisierung ist eine Form des Selbstwertschutzes. Erkrankte, die sich in Behandlung begeben, gestehen sich damit ein, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Dieses Eingeständnis führt dazu, dass sie sich selbst als minderwertig, schwach und nicht liebenswert empfinden. „Auch wenn ihr Leidensdruck hoch ist, verhindert die Selbststigmatisierung, dass Erkrankte sich psychotherapeutische Hilfe suchen“, so die Forscher.
Weitere Motive, sich nicht in Behandlung zu begeben, sind negative Erwartungen hinsichtlich des Behandlungserfolgs und die Tendenz, negative Gefühle zu unterdrücken und zu verschweigen. Die Autoren haben ein Instrument entwickelt, mit dem das Ausmaß der Selbststigmatisierung gemessen werden kann: die Self-Stigma of Seeking Help (SSOSH) Scale. Das Instrument umfasst zehn Items. Es wurde in fünf Studien getestet und hat sich als valide erwiesen. ms

Vogel DL, Wade NG, Haake S: Measuring the self-stigma associated with seeking psychological help. Journal of Consulting Psychology 2006; 3: 325–37.
David L. Vogel, Department of Psychology, Iowa State University, W112 Lagomarcino Hall, Ames, IA 50011–3180, E-Mail: dvogel@iastate.edu
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