ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2007Praxisabgabe: Planung des Risikos
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LNSLNS Mich überrascht die Aggressivität, die in einigen Passagen des Artikels durchscheint, zum Beispiel in der Vorstellung, die Berufsordnung als „Angriffspunkt . . . gegen den Turbokapitalismus“ zu instrumentalisieren, oder im Willen, einen Vertrag mit der Absicht abzuschließen, diesen nicht einzuhalten. Freiberufliche Tätigkeit beinhaltet immer die „Planung des alltäglichen Risikos“ einschließ1ich der Altersvorsorge.
Der Ertrag einer Praxis hängt wesentlich von der Leistungsbereitschaft des Kollegen ab, nachrangig selbstverständlich auch vom Ort der Niederlassung, der Lage der Praxis und Ähnlichem mehr. Wenn die Praxis durch die Aktivität des Eigentümers einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt, dann können Nachfolger diesen sogar unmittelbar für sich nutzen. Die in Kürze ausscheidende Generation der PPs und KJPs hat diese Bekanntheit über Jahre hinweg parallel zu Berufstätigkeit und Zusatzausbildung erarbeitet – schon vergessen? –, das Psychotherapeutengesetz als Existenzsicherung für sich selber und für die nachfolgende Generation durchgesetzt: Der Kassensitz ist also beileibe kein „Privileg“ und schon gar nicht ein „kostenlos“ erreichter Besitz. Diese emotionalisierenden, unreflektierten Begriffe aus dem Jargon der Soziologie dienen nicht der Suche nach Lösungen, sondern der Spaltung in „geldgierige alte“ Praxisinhaber und diesen „ausgelieferten junge“ Interessenten.
(. . .) Der endgültige Verkaufspreis ist meines Erachtens ausschließlich Verhandlungssache der beiden Interessenten bis hin zum Vertrag: Der eine will oder muss (aus Altersgründen) verkaufen, der andere will kaufen und danach freiberuflich Geld verdienen. Sittenwidrigkeit beginnt meines Erachtens bei Verlogenheit, Manipulation und Ähnlichem, nicht primär beim begründbaren Preis des „ideellen Werts“ der Praxis.
Ein „Bewertungsverfahren“, das möglicherweise auf einen „Praxisbewertungskommissar“ hinausläuft, mag zwar die Definitionshoheit für sich beanspruchen und dadurch Emotionen bedienen. Es konterkariert jedoch die freiberufliche Grundlage unserer Tätigkeit. (. . .)
Dipl.-Psych. Gustav Josef Brudy, Rheinstraße 44, 64589 Stockstadt/Rhein
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