ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2007Praxisabgabe: Ethisch bedenklich
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LNSLNS Die Psychoanalytikerin Gudrun Pfitzner als mutige Frau zu bezeichnen, halte ich für verfehlt, da beim Lesen des Artikels der Eindruck entsteht, dass Frau Pfitzner vorsätzlich ihrer vertraglichen Verpflichtung nicht nachkommt, die vereinbarten 48 000 Euro für den Kassensitz zu bezahlen. Diese Vorgehensweise, durch Vertragsbruch an eine Kassenzulassung zu kommen, halte ich ethisch für äußerst bedenklich und von Neidimpulsen motiviert; folglich ist es nur rechtens, dass das Landgericht München Frau Pfitzner zur Zahlung verurteilt hat. Ich kann nur hoffen, die nächste Instanz wird das Urteil des Landgerichts bestätigen. Sollten die Zulassungsausschüsse rein hypothetisch den Vorschlag von Frau Pfitzner aufgreifen, nur den qualifiziertesten Kandidaten für einen frei gewordenen Kassensitz auszusuchen, so ständen wir vor dem Problem, wie letztlich diese Qualifikation gerecht geprüft werden kann. (. . .)
In der Tat aber stellt sich natürlich die Frage, was ein für beide Vertragspartner angemessener Preis für einen Kassensitz ist. Neid, Anspruchsdenken, Gerechtigkeitsfanatismus, Versorgungswünsche und Narzissmus haben hier aufseiten des Käufers bewusst wie unbewusst nichts zu suchen. Oft wird vergessen, dass eine Praxis immer auch ein Wirtschaftsunternehmen im Kleinsten ist. Aufseiten des Verkäufers sind Abzocke, Wucher oder sogar sittenwidrige Angebote unerwünscht. Meines Erachtens und meiner Erfahrung nach sollte dieser Preis zwischen 30 000 und 50 000 Euro liegen und abhängen von Faktoren wie Übernahme der Praxisräume, des Mobiliars, von kostenintensiven Therapiematerialien, einer guten Lage und Erreichbarkeit der Praxis, Einbindung in ein Versorgungsnetzwerk und so weiter. Die eventuelle Übernahme von Patienten sollte dabei keine Rolle spielen. Wenn man bedenkt, dass man mit einer Kassenzulassung bis zum Alter von 68 Jahren gut zu tun hat und gut davon leben kann, dann ist eine Investition in dieser Preisspanne gut angelegtes Geld, welches momentan auch noch günstig zu leihen ist. Investitionen in somatisch ausgerichteten Arztpraxen liegen bedeutend höher. Und zu guter Letzt: Psychologen und Psychotherapeuten hatten schon immer ein problematisches Verhältnis zum Geld (Ausnahmen prüfen die Regel). Klärende Selbsterfahrung tut dort not.
Ralph Krause, Goetheallee 10, 53225 Bonn
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