ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2007Katathymes Bilderleben: Gute Einführung in die Methode

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Katathymes Bilderleben: Gute Einführung in die Methode

PP 6, Ausgabe Mai 2007, Seite 235

Neuhäuser, Gerhard

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Das von Hanscarl Leuner in den 50er-Jahren entwickelte katathyme Bilderleben, eine wissenschaftliche Methode zum Nachweis unbewusster Vorgänge, ist im Lauf der Jahre zu einem bewährten Therapieverfahren ausgebaut worden. Mit einer psychoanalytisch fundierten Technik werden Tagträume und Fantasieprojektionen genutzt, um psychische Inhalte zu bearbeiten und zu klären. Schon Leuner hat das Verfahren auch bei Kindern mit Erfolg angewandt, da es den Einblick in Entwicklungsvorgänge und ihre Bedingungen vertiefen kann. An der Weiterentwicklung zur Katathym Imaginativen Psychotherapie (KIP) waren die Autoren der Darstellung ganz wesentlich beteiligt. Die moderne Hirnforschung hat bestätigt, welche Bedeutung der Imagination zukommt: Vorstellen von Handlungen aktiviert entsprechende Hirnareale wie die Ausführung.
Im einleitenden Kapitel wird die gegenwärtige Situation von Kindern und Jugendlichen mit ihren besonderen Herausforderungen kurz und recht eindrucksvoll geschildert. Welche Möglichkeiten der Hilfe die KIP bietet, lässt sich aus ihren theoretischen Grundlagen, vor allem auch nach den mitgeteilten Erfahrungen ableiten; dabei sind jeweils entwicklungspsychologische Aspekte berücksichtigt. Die therapeutische Atmosphäre ist durch Vertrauen und Vertrautheit geprägt, in einer entlastenden und entspannten Beziehung wird besonders das kreative Potenzial angesprochen. Neben der Behandlung von Kindern ab dem sechsten Lebensjahr ist die Methode auch für Jugendliche und deren oft große Problematik gut geeignet. Bei einer Dauer von fünf bis 25 Minuten sollten Sitzungen wöchentlich erfolgen, meist über einen längeren Zeitraum.
Man findet detaillierte Angaben zum Setting und zum praktischen Vorgehen, auch für die erforderlichen diagnostischen Feststellungen, die durch bestimmte Imaginationen wertvoll zu ergänzen sind. Die Auswahl der Motive wird individuell bestimmt, sie kann die Imagination in eine bestimmte Richtung lenken und damit zu wichtigen Aussagen verhelfen. Bedeutsam sind auch therapiebegleitende Gespräche und eine bildliche Darstellung. Dies zeigen viele instruktive Beispiele aus der Praxis der Autoren; zu Recht nimmt ein Abschnitt über Kasuistiken einen Umfang von 80 Seiten ein.
Indikationen für die KIP sind vor allem Störungen aus dem neurotischen und psychosomatischen Diagnosespektrum, auch Störungen der Persönlichkeitsentwicklung; eine Kontraindikation wird bei psychotischen und manifest verwahrlosten Patienten gesehen. Wie die Beispiele belegen, gibt es viele Möglichkeiten der Anwendung, im Vertiefen der Psychodiagnostik, durch Verbindung mit anderen pädagogischen und therapeutischen Methoden, zur imaginierten Ressourcenaktivierung, als Krisenintervention, Kurzzeittherapie oder Gruppentherapie, im Rahmen einer stationären oder teilstationären Behandlung. KIP ist auch für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung geeignet, sie wird erfolgreich bei Bindungs- und Beziehungsstörungen und in der Psychotraumatologie eingesetzt. Ihre Möglichkeiten bei bewegungsunruhigen Kindern zeigt ein eigenes Kapitel auf.
Das Buch führt gut in die Methode der KIP ein, die als ein erprobtes Verfahren in Betracht gezogen werden sollte, wenn Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen zu behandeln sind. Um die Methode in der Praxis einzusetzen, muss eine gesonderte Ausbildung absolviert werden und Supervision möglich sein. Auch wenn den psychoanalytisch orientierten Interpretationen nicht immer zu folgen ist, bieten diese doch viel Stoff für Diskussionen und regen hilfreiche Überlegungen an. Gerhard Neuhäuser

Günther Horn, Renate Sannwald, Franz Wienand: Katathym Imaginative Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen. Reinhardt Verlag, München, 2006, kartoniert, 29,90 Euro
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