ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2007Strukturbezogene Therapie: Präzise Diagnostik erforderlich

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Strukturbezogene Therapie: Präzise Diagnostik erforderlich

PP 6, Ausgabe Mai 2007, Seite 236

Barley, Ingrid

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Patienten mit strukturellen Störungen profitieren häufig nicht von den psychodynamischen Verfahren (analytische oder tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie). Gelegentlich zeigt sich sogar eine Tendenz zur Verschlechterung des seelischen Zustands. Der Autor, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (und bis 2004 Ärztlicher Direktor der Psychosomatischen Universität Heidelberg), setzt sich mit den vielfältigen Ursachen dieser Problematik auseinander und stellt sein Konzept der „strukturbezogenen Psychotherapie“ vor.
Er verdeutlicht, wie sehr strukturelle Defizite eine Konfliktbearbeitung erschweren oder unmöglich machen. Deshalb sollte zunächst präzise diagnostiziert werden, wie groß der konfliktneurotische Anteil an der vorliegenden Störung ist, und welche strukturelle Dynamik sich darstellt. Dafür bietet der Autor eine systematische Einteilung mit sechs verschiedenen Störungsmustern an. Diese beginnt mit den neurotischen Konflikten auf gutem Strukturniveau und endet mit den strukturellen Störungen auf desintegriertem Niveau bei fehlender Konfliktfähigkeit. Der Autor sieht die Gefahr, dass eine Symptomatik vom Therapeuten als neurotisch interpretiert wird, die in Wirklichkeit strukturdynamische und strukturdefizitäre Ursachen hat. In so einem Fall wäre es kontraproduktiv, mit der analytischen Standardbehandlung zu beginnen. Vielmehr sind dann zuerst strukturstabilisierende und strukturfördernde Techniken erforderlich. Dabei gilt es, die psychotherapeutischen Methoden auf die speziellen Erlebnis- und Funktionsweisen des Patienten auszurichten, das heißt auf seine Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung, zur Selbststeuerung, zur Abwehr, zur Objektwahrnehmung, zur Kommunikation und zur Bindung.
Die Ausführungen zur Technik dieser „strukturbezogenen Therapie“ sind das zentrale Thema dieses Buches; sie werden in einem Manual übersichtlich dargestellt. Es wird ergänzt durch die Kapitel „Entwicklungspsychologie der Struktur“, „Emotionen“, „Strukturelle Störungen“, „Schwierigkeiten der Behandlung struktureller Störungen im psychoanalytischen Rahmen“ und „Strukturelle Systematik klinischer Bilder und ihre Behandlung“. Im Anhang findet sich die OPD-Struktur-Checkliste in der neuen Version von 2006. Das Buch bietet auch dem erfahrenen analytisch arbeitenden Psychotherapeuten interessante Anregungen und Arbeitsgrundlagen. Ingrid Barley

Gerd Rudolf: Strukturbezogene Psychotherapie. Leitfaden zur psychodynamischen Therapie struktureller Störungen. 2. Auflage, Schattauer, Stuttgart, 2006, 240 Seiten, gebunden, 34,95 Euro
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