ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2007RANDNOTIZ: Leben ist tödlich

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RANDNOTIZ: Leben ist tödlich

Dtsch Arztebl 2007; 104(19): A-1269 / B-1129 / C-1081

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS Während sich Experten in Deutschland über das Für und Wider des Mammographie-Screenings streiten, gehen britische Ärzte in der Bekämpfung von Brustkrebs völlig neue Wege. Schon Embryonen sollen künftig im Rahmen einer Präimplantationsdiagnostik (PID) auf ihre Disposition für ein Mammakarzinom untersucht werden. Möglich wird dies durch einen Test auf Mutation des Gens BRCA-1, der zum Einsatz kommen kann, sobald die zuständigen Behörden grünes Licht gegeben haben. Zu den ersten Interessenten zählt eine 22-jährige Frau, selbst Merkmalsträgerin, deren Mutter und Großmutter an Brustkrebs starben. Mithilfe des Tests könnte man ihr Embryonen ohne eine Mutation implantieren.
Der Wunsch, Leid zu verhindern, ist nachvollziehbar. Doch man darf eines nicht vergessen: Bei vorliegender Mutation ist die Krebswahrscheinlichkeit zwar deutlich erhöht, aber ob die Krankheit wirklich ausbricht, kann niemand vorhersagen. Zudem ist Brustkrebs behandelbar. Ärzte, die den Test anwenden, müssen sich fragen lassen, ob sie glauben, alle Frauen mit BRCA-Mutation wären besser nie geboren. Ein Aspekt, der auch die Merkmalsträgerin nachdenklich stimmen sollte.
Es gibt kein Leben ohne Risiko für Krankheit und keine genetische Garantie für Gesundheit. Das „perfekte Kind“ hat vielleicht mit zehn Jahren einen tödlichen Unfall. Die junge Frau, die an Brustkrebs erkrankt, wird möglicherweise geheilt. Die PID – in Deutschland im Gegensatz zu Großbritannien bislang verboten – könnte mehr Probleme schaffen, als sie löst. Sie lässt Ärzte und Eltern Schicksal spielen – eine Aufgabe, die schnell zur Überforderung werden kann.
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