ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2007Zeitplan EBM-Reform: Verzögerung wäre fatal

POLITIK

Zeitplan EBM-Reform: Verzögerung wäre fatal

Dtsch Arztebl 2007; 104(19): A-1278 / B-1137 / C-1089

Rieser, Sabine

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LNSLNS Der KBV-Vorstandsvorsitzende will alles daransetzen, dass der Euro-EBM bis Januar 2009 fertig ist – notfalls auch gegen Widerstände aus den eigenen Reihen.

Zeit ist Geld? Ja, findet Dr. med. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Und deshalb macht er Druck: „Wir wollen auf Teufel komm raus den 1. Januar 2009 halten.“ Dann sollen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte nach einer neuen Gebührenordnung abrechnen – in Euro und Cent (DÄ, Heft 18/2007). Doch um diesen Termin einhalten zu können, darf es keine Terminverzögerungen geben.
Zumindest das erste Zwischenziel wurde erreicht. Das Institut des Bewertungsausschusses von KBV und Krankenkassen ist, wie im GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz vorgeschrieben, zum 30. April gegründet worden, wenngleich noch nicht voll arbeitsfähig. „Es ist derzeit schwierig, Ärzte zu finden“, erläuterte Köhler am 4. Mai in Berlin. Deshalb wird die KBV im Auftrag des Bewertungsausschusses die anstehende Neustrukturierung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) übernehmen. Diese Alternative lässt das Gesetz ausdrücklich zu.
Als nächstes müssen sich KBV und Krankenkassen bis 31. Oktober als Übergangslösung auf einen „Pauschalen-EBM“ geeinigt haben. Er soll zum 1. Januar 2008 in Kraft treten. Bis zum 31. August 2008 sind weitere Vorarbeiten zu beenden: die Neuberechnung der Leistungsmenge, die Festsetzung eines Orientierungspunktwerts, die Morbiditätsmessung sowie die Entwicklung eines Verfahrens zur Berechnung und Anpassung von Regelleistungsvolumen.
Dass Köhler derart hartnäckig auf der Einhaltung des Zeitplans besteht, hat Gründe. „Über kurz oder lang werden die Kopfpauschalen keine adäquate Vergütung mehr gewährleisten“, warnt er. Der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen habe bereits dazu geführt, dass vor allem junge, gesunde Versicherte zu günstigen Kassen gewechselt seien. Die jedoch zahlten, so Köhler, oft relativ niedrige Kopfpauschalen. Nun fusionierten mehr und mehr Krankenkassen. Womöglich würden in der Folge Kopfpauschalen nach unten korrigiert – und der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung stünde dadurch noch weniger Geld zur Verfügung. Dazu komme eine zunehmende Risikoselektion innerhalb der einzelnen Kassen, warnt Köhler: „Junge, gesunde Versicherte werden massiv in Wahltarife eingeworben.“ Doch das Geld für Beitragsrückerstattungen oder Prämien fehlt für die Versorgung von schwer und chronisch kranken Menschen.
Im Rahmen der neuen Gebührenordnung würde dies die Ärzte theoretisch weniger treffen als heute. Denn von 2009 an sollen bei der Honorierung auch die Morbidität der Versicherten, die Kostenentwicklung in den Praxen und die Leistungsverlagerung aus dem stationären in den ambulanten Bereich berücksichtigt werden.
Ärzte befürchten zu geringes Plus, Kassen Mehrausgaben
Köhler rechnet jedoch nicht nur mit Verzögerungsversuchen und Diskussionen mit den Krankenkassen, die Mehrausgaben befürchten. Er ist auch auf Debatten innerhalb der Ärzteschaft eingestellt. So sei davon auszugehen, dass die regionalen Abweichungen von den bundesweiten Orientierungspunktwerten nicht allzu groß ausfallen werden, denn: „Bayern ist mehr als München.“ Als Folge würde sich die Vergütung der Ärzte im Süden Deutschlands womöglich kaum verbessern, die der Kollegen im Norden aber schon – Sprengstoff im KV-System.
Sabine Rieser
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