ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2007Pneumonie: Bundesweit uneinheitliche Therapie

MEDIZINREPORT

Pneumonie: Bundesweit uneinheitliche Therapie

Dtsch Arztebl 2007; 104(19): A-1292 / B-1147 / C-1099

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS In der antibiotischen Behandlung von ambulant erworbenen Pneumonien bestehen große regionale Unterschiede. Die Variabilität zeigte sich in einer Untersuchung des Instituts für Sozialmedizin der Universität Lübeck, an der neun klinische Zentren beteiligt waren. Geprüft wurden die Daten von 3 221 Patienten im Alter von 18 bis 102 Jahren (Durchschnittsalter 63,9 Jahre). Die Ergebnisse aus Lübeck offenbaren darüber hinaus, dass die Antibiose keineswegs immer den gültigen Therapieleitlinien folgt.
Bedeutsam sei dabei vor allem der unkritische Einsatz von Wirkstoffen mit Breitbandspektrum. „Derart potente Antibiotika sollten nicht als erste Wahl eingesetzt, sondern zurückgehalten werden, um sich keine Chancen zu verbauen“, rät Studienleiter Prof. Dr. med. Torsten Schäfer. Bereits jetzt seien 40 Prozent aller Pneumokokken resistent. Problematisch sei zudem, dass die ursächlichen Keime nur in 30 bis 50 Prozent der Fälle entdeckt würden.
Die Gründe für die regionalen Unterschiede in der antibiotischen Behandlung sind nach Aussage Schäfers nicht nur auf soziodemografische oder klinische Faktoren zurückzuführen. Die Ursachen seien auch in örtlich unterschiedlichen Behandlungsempfehlungen und individuellen Erfahrungen der behandelnden Ärzte zu suchen. Auch die regionalen Marketingpraktiken der pharmazeutischen Industrie könnten einen Einfluss haben.
Um die Versorgung der Patienten mit ambulant erworbenen Pneumonien zu verbessern, muss sich die Therapie stärker an den Empfehlungen der aktuellen Leitlinien orientieren. Dieses Ziel verfolgt ein von der Bundes­ärzte­kammer unterstütztes und vom Kompetenznetz „Erworbene Pneumonien“ (CAPNETZ) durchgeführtes Projekt zur Einführung der S3-Leitlinie. zyl

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