ArchivDeutsches Ärzteblatt19/20073 Fragen an… Dr. med. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe

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3 Fragen an… Dr. med. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe

Dtsch Arztebl 2007; 104(19): A-1298 / B-1153 / C-1104

Stüwe, Heinz

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Foto: Äk Westfalen-Lippe
Foto: Äk Westfalen-Lippe
Die Delegierten des 110. Deutsche Ärztetages in Münster kommen in eine Stadt mit Lebensqualität und guten Wirtschaftsdaten. Gilt dieses Prädikat auch für die medizinische Versorgung?
Windhorst: Die Versorgungsstruktur in Westfalen-Lippe ist gut. Hier kümmern sich hoch qualifizierte und engagierte Ärzte um die Patienten. Jedoch müssen wir Münster und das Münsterland verstärkt als Gesundheitsregion positionieren. Daran arbeiten wir gerade zusammen mit der Stadt Münster und der Universität und erhalten dabei auch Unterstützung durch NRW-Ge­sund­heits­mi­nis­ter Laumann. Ein drängendes Problem ist die Unterfinanzierung des Gesundheitswesens, die auch bei uns negative Folgen zeigt, zum Beispiel in den Krankenhäusern. Es darf zu keinem Krankenhaus-Zentralismus kommen. Ich warne vor dem Gesundschrumpfen auf Kosten der kleineren Häuser. Wir müssen das Krankenhaus um die Ecke erhalten.

Ist der Ärztemangel spürbar?
Windhorst: In den ländlichen Regionen wird es für Hausärztinnen und Hausärzte zunehmend schwerer, Nachfolger für ihre Praxen zu finden. Und dieses Problem wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Etwa die Hälfte der Hausärzte in Westfalen-Lippe gibt in den kommenden 15 Jahren ihre Praxis aus Altersgründen auf. Um sie zu ersetzen, müssten sich 2 600 Kolleginnen und Kollegen niederlassen. Wenn sich aber wie derzeit jährlich kaum mehr als 100 zum Allgemeinarzt weiterbilden, reicht das nicht aus, um die drohenden Lücken in der Versorgung zu füllen. Zumal sich auch nur ein Teil davon niederlassen will. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe hat deshalb einen runden Tisch initiiert mit Entscheidungsträgern auf allen Ebenen, bis hin zu den Kommunen. Notwendig ist eine angemessene Honorierung für die Ärzte, wir wollen aber auch die Rahmenbedingungen in der Weiterbildung verbessern, sodass sich nicht jede junge Ärztin, jeder junge Arzt seinen Weiterbildungsweg selbst suchen muss.

Auf Ihre Anregung hin befasst sich der Deutsche Ärztetag mit dem Thema Kindergesundheit.
Windhorst: Wir benötigen mehr und effektivere Präventionsangebote für Kinder und Jugendliche. Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern müssen zur Pflicht werden; deren Nachweis ist eine elterliche Bringschuld. Sie können auch ein wirksamer Schutz der Kinder vor Vernachlässigung und Gewalt sein. Wir wollen keine Gesundheitspolizei sein, aber: Kinderrecht muss vor Elternrecht gehen. Die Fragen stellte Heinz Stüwe.
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